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Einführung zur Problematik (Pflanzen und Algen)
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Einführung zur Problematik (Pflanzen und Algen)
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Die Lunge des Mittelmeeres – das ist speziell das Neptungras (Posidonia oceanica) ist bedroht. Unter den Algen und Seegräsern findet man bedrohte Arten, die für die Ökologie des Mittelmeeres von entscheidender Wichtigkeit sind. Die schleichende Veränderungen des Lebensraumes in Folge menschlicher Aktivitäten wie zuviel Sedimenteintrag durch Bautätigkeit oder Einleitungen, Trübung des Wassers durch Eutrophierungsphänomene und dadurch weniger Lichtangebot am Meeresgrund, chemische Verunreinigung des Meerwassers, mechanische Schädigung durch zu viele Boote und Schiffe und ihre Anker und weitere Faktoren führen zum Rückgang der Algen und Seegräser. Da diese aber die Grundlage des benthischen marinen Ökosystems bilden, muss diesem Thema mindestens soviel Aufmerksamkeit wie den bedrohten Mönchsrobben, Delfinen und Tunfischen geschenkt werden. Speziell die Algen werden oft ignoriert und stiefmütterlich behandelt, weil die Menschen ihre entscheidende ökologische Bedeutung aus (in diesem fast meist völliger) Unwissenheit übersehen. Das Wort „Alge“ scheint fast schon automatisch negativ besetzt zu sein. Algenplagen, Killeralgen, Algen am Strand ... – das hört man immer wieder in den Medien. Die breite Öffentlichkeit verbindet daraufhin „Alge“ automatisch mit etwas Negativem.

Ohne Algen und Seegräser würde das Mittelmeer als Ökosystem sterben! Widmen Sie daher beiden ihre Aufmerksamkeit, denn es ist auch "ihr Mittelmeer", so wie es unser aller Mittelmeer ist.

 

Informationen über Seegräser finden Sie unter Fakten in diesem Menüpunkt.

 

Marine Algen – die verkannten Pflanzen der Meere
von Robert Hofrichter und Bruno P. Kremer (aus Das Mittelmeer, Band I)

Algenplage, Killeralgen, bedrohte und ökologisch bedeutende Algenarten – für den biologischen Laien ist es schwer sich in kurzer Zeit ein auch nur annähernd zutreffendes Bild der „Algen“ zu machen. „Die Algen“ gibt es in dieser Form in der Wissenschaft nicht, sondern verschiedene Organismengruppen, die sich systematisch wesentlich unterscheiden. Als „Algen“ werden beispielsweise die Mikroalgen bezeichnet, die Einzeller sind und zu den Protisten zählen, zu einem eigenen Organismenreich. Völlig anders organisiert sind die Makroalgen, zu denen Rot- (Rhodophyta), Braun- (Phaeophyta) und Grünalgen (Chlorophyta) gehören. Sie haben eine recht komplizierte Biologie. Die Makroalgen haben wiederum recht wenig mit den (höheren) Pflanzen (Reich Plantae) gemeinsam, außer, dass sie phtotosynthetisch aktive Pigmente besitzen und eine autotrophe Ernährungsweise haben. Sie alle sind die "Pflanzen der Meere".

Die allermeisten "Pflanzen der Meere" sind Algen - mehr als 98 % ! Im Mittelmeer sind nur etwa 0,5 % des gesamten pflanzlichen Artenbestandes Blütenpflanzen. Von den hier vorkommenden sechs Arten Seegräser abgesehen, besteht die gesamte marine Makrophytenvegetation aus Rot-, Braun- und Grünalgen.

Nach verschiedenen biologischen Gesichtspunkten kann man die Algen nicht zusammen mit den höheren Pflanzen in der gleichen Schublade ablegen. Aber auch die vielfältigen Mikroalgen (Protisten) und Makroalgen können nicht einfach in einem einzelnen Taxon, den “Algen“, zusammengefasst werden. Dass jedoch Algen – unabhängig von der systematischen Zuordnung – im Hinblick auf ihre ökosystemare Bedeutung eine völlig verkannte Gruppe von Meeresorganismen sind, soll nachfolgend kurz skizziert werden.

Das weltweit zunehmende Interesse an Biodiversität ist eine Folge des Verlusts an biologischer Vielfalt. Die Biodiversitätsdebatte hatte aber eine wichtige Organismengruppe lange Zeit völlig übersehen: die Algen. Daran konnte auch die Convention on Biological Diversity der UN vorerst nicht viel ändern. Zu Recht hat es massive Bemühungen gegeben, die Reste der tropischen Regenwälder zu retten, aber nur wenige Stimmen wurden laut, die sich auch um die Algen sorgten. Das Wort “Alge“ scheint für viele negativ besetzt zu sein.

Selbstverständlich sind Algen nicht von Natur aus “schädlich“ und schon gar nicht entbehrlich. Allerdings können sie fallweise nach menschlichen Bewertungsmaßstäben in einem aus der Balance geratenen Ökosystem zum Problem werden. Solche Ereignisse können auch ohne direkte menschliche Beteiligung eintreten, etwa in Folge klimatischer Anomalien oder Schwankungen. Insofern sind Algen gute Bioindikatoren für natürliche und durch Menschen verursachte Umweltveränderungen – sowohl in der Häufigkeit ihres Vorkommens als auch in der Zusammensetzung der jeweiligen Algengesellschaften.
Viel bedeutsamer und geradezu unentbehrlich ist jedoch die normale Rolle, welche die Natur den Algen zugedacht hat. Die anfänglich vielleicht noch etwas gemischten Gefühle, mit denen man Algen kritisch wahrnimmt, sind mit Sicherheit revisionsbedürftig, wenn man sich die folgenreiche ökologische Bedeutung und ihre biologisch-physiologischen Leistungen verdeutlicht. Überschwängliche Bewunderung wird sich womöglich auch dann noch nicht einstellen, aber zumindest könnte Respekt das abwertende Desinteresse ablösen. Immerhin bieten Algen als äußerst grazile und filigrane Gebilde auch eine nicht zu verkennende ästhetische Erlebnisdimension. Die Bandbreite ihrer eindrucksvollen Formen und Farben zeigen die Fotografien in diesem Kapitel. Auch unter den Mikroalgen (Protisten) findet man sogar unvergleichlich ansprechende und geradezu an kleine Kunstwerke erinnernde Formen, die man vorbehaltlos als besondere Wunder der Natur auffassen kann.