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Einführung zur Problematik (Meeresschildkröten)
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Einführung zur Problematik (Meeresschildkröten)
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Notiz: Die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) zählt nicht zu den eigentlichen Meeresschildkröten (Familie Cheloniidae), sondern als einzige lebende Art zur Familie der Lederschildkröten (Dermochelyidae).

Obwohl sie systematisch zu einer anderen Familie zählt, hat sie doch eine identische Lebensweise wie die Arten der Familie Cheloniidae. Der Einfachheit halber werden daher in dieser Abhandlung alle im Meer lebende Schildkröten als „Meeresschildkröten“ bezeichnet. Insgesamt gibt es acht rezente Arten von „Meeresschildkröten“ (7 Arten Cheloniidae, 1 Art Dermochelyidae).

Die Arten

  • Demochelys coriacea - Lederschildkröte (Dermochelyidae), Leatherback (Englisch), Tartaruga de couro (Portugiesisch), Tortue luth (Französisch), Tortuga baula, tortuga laúd (Spanisch).
  • Chelonia mydas - Suppenschildkröte (alle weiteren Cheloniidae), Green turtle (Englisch), Tartaruga verde (Portugiesisch), Tortue verte (Französisch), Tortuga verde, tortuga blanca (Spanisch).
  • Caretta caretta - Unechte Karettschildkröte, Loggerhead (Englisch), Tartaruga cabeçuda (Portugiesisch), Tortuga caguama (Spanisch).
  • Lepidochelys olivacea - Pazifische Bastardschildkröte, Olive Ridley oder Pacific Ridley (Englisch), Tartaruga oliva (Portugiesisch), Tortuga golfina, tortuga lora (Spanisch).
  • Lepidochelys kempii - Kemps Bastardschildkröte Kemp’s Ridley, auch Atlantic Ridley, Mexican Ridley (Englisch), Tortue de Kemp (Französisch), Tortuga lora (Spanisch).
  • Eretmochelys imbricata - Echte Karettschildkröte Hawksbill turtle (Englisch), Tartaruga de pente (Portugiesisch), Tortue imbriquée (Französisch), Tortuga carey (Spanisch).
  • Natator depressus - Australische Suppenschildkröte (nur Nord-, West – und Nordostaustralien, praktisch kein Wanderverhalten), Flatback(Englisch), Chelonée à dos plat (Französisch), Tortuga aplanada, tortuga franca oriental (Spanisch).

 

Meeresschildkröten im Mittelmeer

Im Mittelmeer könnten theoretisch fünf Arten von Meeresschildkröten angetroffen werden, allerdings werden nur zwei Arten regelmäßig gesichtet. Die häufigste Art ist Caretta caretta, die Unechte Karettschildkröte. Wesentlich seltener ist Chelonia mydas, die Suppenschildkröte. Gelegentliche Gäste (ohne Reproduktion bzw. Niststrände) im Mittelmeer sind Eretmochelys imbricata, die Echte Karettschildkröte, Lepidochelys kempii, Kemps Bastardschildkröte und selten, aber regelmäßig Demochelys coriacea, die Lederschildkröte.

 

Geben Sie „Sea turtles Mediterranean“ oder ähnliche Suchbegriffe in eine Suchmaschine wie Google ein. Der Rechner meldet annähernd 1 Million Treffer. Das allein zeigt, dass sich Meeresschildkröten großer Beliebtheit erfreuen und weltweit viele Freunde haben. Zahlreiche Organisationen befassen sich mit dem Schutz der Meeresschildkröten. Dennoch ist ihre Situation kritisch: Das IUCN (The World Conservation Union) listet alle sieben Arten der Meeresschildkröten (Chelonidae) und die Lederschildkröte in ihren Roten Listen als gefährdet oder kritisch gefährdet auf. Seit mehr als 150 Millionen Jahren besiedeln die Meeresschildkröten die Meere der Welt (der Übergang zur marinen Lebensweise erfolgte wahrscheinlich bereits vor 200 Millionen Jahren), sie überlebten das Aussterben der Dinosaurier, doch im 20 Jahrhundert hat es der Mensch in einigen Jahrzehnten geschafft sämtliche Arten an den Rand der Ausrottung zu treiben. Ihre Situation im Mittelmeer ist besonders kritisch. Grund genug den Meeresschildkröten mehr Aufmerksamkeit zu schenken!

Meeresschildkröten gehören zu den am stärksten bedrohten Wirbeltieren im Mittelmeer – und weltweit. Der wichtigste Grund für den dramatischen Rückgang ihrer Bestände liegt in ihrer Biologie: Meeresschschildkröten sind zwar reine (allerdings lungenatmende) Meerestiere, stammen jedoch als “Reptilien” von landlebenden Wirbeltieren ab. Sie konnten sich annähernd zu hundert Prozent, aber dennoch nicht ganz vollständig von der Abhängigkeit vom Land trennen. Für die Reproduktion, zur Eiablage, müssen die Weibchen an Land gehen. So elegant und scheinbar mühelos sie sich im Wasser bewegen, so mühsam ist es für sie die wenigen Meter zum oberen Rand des Sandstrandes zu überwinden. Die Weibchen sind in dieser Phase sehr gefährdet und leichte Beute für Menschen. Nicht minder gefährdet sind auch ihre Eier, die bloß entnommen werden müssen – und später die frisch geschlüpften Jungtiere. Den direkten Nachstellungen fallen trotz Schutzmaßnahmen und Gesetze nach wie vor sehr viele Meeresschildkröten zum Opfer.

Für Populationen von Meeresschildkröten ist im wahrsten Sinn des Wortes “ihr” Eiablagestrand von entscheidender Wichtigkeit, denn ohne diesen Strand kann die Population nicht überleben. Die Tiere kommen nach dem Erreichen der Geschlechtsreife traditionell immer zum selben Strand zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind – ein faszinierendes Phänomen. Wenn die Strände durch Baumaßnahmen oder Tourismus zerstört, zugebaut oder in einer anderen Weise beeinträchtigt sind, wird den Tieren die Möglichkeit sich Fortzupflanzen genommen.

Meeresschildkröten landen außerdem gemeinsam mit anderen Meerestieren als “nutzloser Beifang” in Netzen der Fischereiflotten, so auch in den kilometerlangen Treibnetzen, wo sie qualvoll ersticken (als “Reptilien” sind sie Lungenatmer und müssen in regelmäßigen Abständen zum Atmen zur Oberfläche). Die Verschmutzung der Meere durch Kunststoff ist ebenfalls für den Tod unzähliger Meeresschildkröten verantwortlich: Sie verwechseln diesen mit Nahrung, etwa Quallen, und verenden daran. „Small Garbage can kill“ ist der Titel einer Schutzkampagne (http://www.medasset.org/sg_leaflet.pdf) - so klein kann der Unterschied zwischen Leben und Tod sein …

 

Schutzstatus:

Meeresschildkröten sind dem Schutzstatus nach bestens geschützt, zahlreiche nationale und internationale Gesetze und Konventionen sollen sie vor dem Aussterben bewahren.

FFH-Richtlinie der EU

Unechte Karettschildkröte, Suppenschildkröte: nach der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie der EU (RL 43/92 EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen) geschützt: Anhang IV – Streng zu schützende Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse. Die Unechte Karettschildkröte steht als prioritäre Art zusätzlich im Anhang II – Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Die FFH-Richtlinie muss von allen Mitgliedsstaaten der EU auf nationaler Ebene umgesetzt werden.

Berner Konvention

Die 1979 verabschiedete Konvention setzt sich für den Schutz wildwachsender Pflanzen und wildlebender Tiere sowie ihrer natürlichen Lebensräume (Habitatschutz) ein. Die Konvention führt fünf Arten von Meeresschildkröten an: Lederschildkröte, Unechte Karettschildkröte, Suppenschildkröte, Echte Karettschildkröte und Kemps Bastardschildkröte. Sie stehen im Anhang II der Konvention – Streng geschützte Arten. Die Berner Konvention findet ihre Umsetzung im Wesentlichen über die FFH Richtlinie der EU und kann als deren Wegbereiter angesehen werden.

Bonner Konvention

Fast alle Arten von Meeresschildkröten (mit Ausnahme der Australischen Flatback Schildkröte, Anhang II, weniger prioritäre Art) sind in der „Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten“ (CMS) in Anhang I als streng geschützte Arten aufgeführt.

CITES - Washingtoner Artenschutzabkommen

Der Handel mit Meeresschildkröten und deren Produkten für Vertragsstaaten verboten. Alle Meeresschildkröten sind im Anhang 1 und damit in der höchsten Schutzstufe aufgelistet.

Barcelona Konvention

Die Barcelona Konvention sieht in sechs Protokollen verschiedene Maßnahmen zum umfassenden Schutz der Mittelmeers vor. Das SPA Protokoll widmet sich den Special Protected Areas zum Schutz der marinen Umwelt und zur Vermeidung von Umweltverschmutzung. SPa und zusätzlich der Mediterranean Action Plan (MAP) sehen besondere Maßnahmen zum Schutz der im Mittelmeer lebenden Arten von Schildkröten vor.

 

Dem Status nach genießen Meeresschildkröten somit einen mehr als ausreichenden Schutz. Doch das Problem ist die Umsetzung der Bestimmungen und Beschlüsse und die Kontrolle ihrer Umsetzung. Selbst in manchen EU-Ländern wie Griechenland herrschen diesbezüglich chaotischere Verhältnisse als in Ländern der Dritten Welt. Die Konflikte zwischen dem Naturschutz und den Interessen des Tourismus und der örtlichen Bevölkerung sind enorm und die „Rechte“ der Meeresschildkröten werden auf vielen Stränden wortwörtlich „mit den Füßen getreten“ (Beispiel Zakynthos).