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In der Vielfalt und seiner engen Verzahnung der Teillebensräume ist das Mittelmeer ebenso komplex wie in geologischer, geographischer und ozeanographischer Hinsicht. Die reiche Reliefgliederung der Küstenlandschaft als Folge tektonischer Dynamik, eustatischer Schwankungen des Meeresspiegels, Erosion und Sedimentation setzt sich unter dem Meeresspiegel in zum Teil imposanten Unterwasserlandschaften fort. Bereits auf den ersten Blick werden unterschiedliche Teillebensräume oder Bereiche wie Hartböden (primäre Hartböden aus anstehendem Fels), Sedimentgrund (etwa Geröll, Blockfelder, Sand, Schlamm = Weichboden), sekundäre Hartböden biogenen Ursprungs (Coralligène), Seegraswiesen, Algenbestände und andere erkennbar. In der Fachsprache werden Lebensraum-Untereinheiten, die sich durch ihre Lebensgemeinschaften deutlich von anderen abgrenzen lassen, als Fazies bezeichnet. Meistens werden solche Fazies nach einer oder mehreren besonders charakteristischen Arten der Lebensgemeinschaft benannt. Die ausführliche UNEP*-Klassifizierung mariner Habitattypen für die mediterrane Region (1998), die sich nach Charakterarten richtet, zeigt deutlich, dass allzu vereinfachte Gliederungsversuche des Benthals oberflächlich und wenig zielführend bleiben müssen. Diese Typologie unterscheidet für jede Tiefenstufe, also das Supra-, Medio-, Infra- und Circalitoral sowie das Bathyal und Abyssal, zahlreiche Fazies oder Teilbereiche mit spezifischen Biozönosen und auffälligen oder besonders typischen Arten (Charakterarten). Ein Beispiel: III. Infralitoral III. 4. Steine und Geröll III. 4.1 Biozönose infralitoraler Geröllfelder III. 4.1.1 Fazies mit Gouania wildenowi Eine Erklärung der Nomenklatur sei hier kurz vorweggenommen: Infralitoral ist der ständig vom Wasser bedeckte, seichteste, küstennahe Bereich des marinen Lebensraumes (nach anderen bzw. älteren Nomenklaturen: oberes Sublitoral). Innerhalb dieses Bereichs findet man häufig Strände aus mehr oder weniger glatt abgerundeten Geröllsteinen. Wenn diese die entsprechende Körnung haben in den tieferen Schichten müssen kleinere Steinchen in Kiesgröße zu finden sein , kommt in diesem Habitat ab der Mittelwasserlinie mit ziemlicher Sicherheit die erwähnte Schildfischart vor. Man kann sie vom Ufer aus im engen Lückenraum zwischen kleineren Steinen finden. Analog dazu wird der marine Lebensraum von der Spritzwasserzone bis in die Tiefsee in zahlreiche Teilbereiche oder Fazies unterteilt. Warum diese Lebensräume und die dazugehörigen Lebensgemeinschaften so sind, wie sie sich uns darstellen, welche Kräfte sie geschaffen haben, sie ständig weiter prägen und formen, welche Organismen sie bewohnen und zum Teil wie etwa im Fall der Seegraswiesen auch bilden und welche ökologische Rolle sie im Gesamtsystem Mittelmeer spielen, ist Gegenstand dieser Abhandlung. |