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Das Mittelmeer


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das_mittelmeer:biogeographie

Biogeographie Einleitung

Das Mittelmeer ist das größte von Landmassen völlig umschlossene (Neben-)Meer – allerdings nicht das größte Mittelmeer. In seiner heutigen Form und mit seiner heutigen Biozönose ist es erst vor etwas mehr als fünf Millionen Jahren entstanden. Mit einer Fläche von knapp 3.000.000 Quadratkilometern stellt es – zusammen mit dem Schwarzen Meer – einen Miniaturozean dar, der gut für biogeographische Betrachtungen geeignet ist. In geologischer wie biologischer Hinsicht ist das Mittelmeerbecken mit seiner Tier- und Pflanzenwelt jedoch eine der komplexesten Regionen der Erde.

In vielerlei Hinsicht mag das Mittelmeer zu Recht als eines der am besten erforschten Gewässer der Erde gelten, da bereits seit der Antike Strömungen, Wetterbedingungen, Untiefen, aber auch Tier- und Pflanzenarten mehr oder weniger systematisch erfasst wurden. Dennoch hält es immer wieder Überraschungen bereit. Auch für Biogeographen ist der Mediterran vielfach Neuland, denn längst nicht alle Arten oder deren genaue Verbreitung sind bekannt. Oft haben biogeographische Arbeiten noch nicht einmal das Stadium rein chorologischer Bestandsaufnahmen erreicht, von der unzureichenden Kenntnis des Arteninventars und der systematischen Erforschung im Zusammenhang mit Taxa benachbarter Regionen ganz zu schweigen. Mithin spiegeln Verbreitungskarten – sofern überhaupt verfügbar – weniger das tatsächliche Vorkommen einzelner Taxa wider als vielmehr die Orte biologischer Stationen und/oder von Probenahmestellen. Hinzu kommt, dass sich die Verbreitung vieler Faunen- und Florenelemente anthropogen bedingt zum Teil dramatisch verändert hat.

Die Verbreitungsmuster von Tieren und Pflanzen sind nicht allein durch heute wirksame physikalische oder biotische Faktoren verursacht; vielmehr sind sie als das Ergebnis von Vorgängen anzusehen, die in der erdgeschichtlichen Vergangenheit liegen. Das Unterscheiden und Beurteilen von einerseits historischen und andererseits ökologischen Faktoren ist daher von großer Bedeutung.

Die Arbeit der Biogeographen wird unter anderem auch durch das unvollständige Wissen über die wirklichen Verbreitungsareale von Arten, die Auswirkungen der Eiszeiten und damit zusammenhängender eustatischer Schwankungen des Meeresspiegels und nicht mehr existierender Landbrücken oder Meeresstraßen erschwert. Besonders bei den Invertebraten tragen eine unklare Taxonomie, zahlreiche Fehlbestimmungen und fehlende oder lückenhafte Verbreitungsangaben dazu bei, dass Biodiversität und Biogeographie mariner Organismen nur ungenügend erfasst werden können. Und vor allem hat der Mensch seit seinem Auftreten im Mittelmeerraum die Organismenwelt zunächst vor allem im terrestrischen, später aber auch im marinen Bereich in dramatischer Weise beeinflusst. Durch die anthropogene Einwirkung wurden fremde Arten eingeschleppt und andere ausgemerzt.

Vor mehr als 130 Jahren wurde mit dem Bau des Suezkanals die alte Verbindung zum Indopazifik wieder geöffnet und damit ein bemerkenswertes biogeographisches und ökologisches Experiment gestartet. Aber auch auf anderen Wegen sind Arten verschleppt worden – beispielsweise mit der Schifffahrt, etwa im Ballastwasser, an Schiffsrümpfen und Ankern –, so dass Biologen in manchen Fällen nicht mehr sagen können, ob bestimmte Arten „von Natur aus“, also bevor der anthropogene Einfluss eingesetzt hat, im Mittelmeer vorgekommen sind (also hier autochthon sind) oder nicht. Trotz dieser Einschränkungen ist es in vielen Fällen möglich, ein erstes Bild der marinen Biogeographie des Mittelmeeres zu zeichnen.

Geographische und biogeographische Grenzen

Die geographisch-topographischen Grundlagen, die Entstehungsgeschichte, die Gliederung des Mittelmeeres in Teilbecken und seine Ozeanographie sind in den entsprechenden Kapiteln („Geologie und Entstehungsgeschichte“, „Geographie und Klima“ und „Ozeanographie und Wasserhaushalt“) ausführlich beschrieben.

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Unterschiedliche Grenzziehungen

Die grundlegendste biogeographische Beobachtung ist jene, dass einzelne Organismen, Faunen und Floren jeweils in bestimmten Regionen vorkommen, die unterschiedlich groß sein können.

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Die Geburt des Mittelmeeres

Die Messinische Salinitätskrise im späten Miozän zwischen 5,6 und 5,3 Millionen Jahren vor unserer Zeit war nicht nur für die mediterrane Region eines der spektakulärsten geologischen Ereignisse. Ihr ist die Bildung einer Landbrücke zwischen Afrika und Europa bei Gibraltar vorausgegangen, die den Zustrom von Atlantikwasser unterband.

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Biogeographie der heutigen Fauna und Flora

Die Biodiversität des Mittelmeeres kann aus mannigfachen Gründen als bemerkenswert bezeichnet werden. Die mediterranen Arten stellen 6,2 Prozent der weltweiten marinen Biota, obwohl das Mittelmeer inklusive Schwarzem Meer nur 0,82 Prozent der gesamten weltweiten Ozeanoberfläche einnimmt und nur 0,32 Prozent des Gesamtvolumens ausmacht.

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Historischer Ursprung

Seit der ersten biogeographischen Gliederung in marine Provinzen durch Woodward (1866) wurden ökologische Faktoren für eine Erklärung der geographischen Verbreitung der Organismen als unzureichend befunden.

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Kosmopolitische Elemente

Kosmopolitische Arten sind im Mittelmeer relativ selten; sie sind aber nicht, wie man wohl erwarten würde, auf das Pelagial begrenzt. So sind etwa 10 Prozent der mediterranen Demospongiae und 10,6 Prozent der mediterranen Ascidien benthische Kosmopoliten.

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Circumtropische Elemente

Nur wenige Arten aus dem Mittelmeer sind circumtropisch (pantropisch). Die meisten von ihnen sind in tropischen und subtropischen Regionen weit verbreitet und profitieren im Mittelmeer von der subtropischen Oberflächentemperatur während des Sommers.

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Indopazifisch-tropische Elemente

Trotz gewisser Ähnlichkeiten zwischen dem östlichen Mittelmeerbecken, dem Roten Meer und dem Indischen Ozean haben diese Regionen nur wenige gemeinsame Arten.

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Atlantische Elemente

66,9 Prozent der Mittelmeerfauna sind beiderseits der Meerenge von Gibraltar zu finden, was zeigt, dass diese Schwelle keine unüberwindliche biogeographische Grenze darstellt. Die meisten heutigen Bewohner des Mittelmeeres haben ihren Ursprung im Atlantik; umgekehrt haben auch einige mediterrane Arten den Weg in den Atlantik gefunden.

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Endemische Elemente

Die hohe Anzahl endemischer Arten ist eines der hervorstechendsten Charakteristika des Mittelmeeres. Endemismen haben eine große Bedeutung als Ausdruck entwicklungsgeschichtlicher Isolation und sind besonders geeignet, die Abgrenzung biogeographischer Bereiche festzustellen.

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Die Regionen des West- und Ostmediterrans

Nachfolgend ist die Beschreibung der einzelnen Teilbecken nach Furnestin dargestellt. Das westliche Becken ist stark durch den atlantischen Einfluss gekennzeichnet. Es lässt sich gemäß den ökologischen Faktoren in einen nördlichen (Spanien, Frankreich, Italien) und einen südlichen Unterbereich (nordafrikanische Küste) trennen.

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Der Suezkanal

Der Suezkanal verbindet zwei Meere, das Mittelmeer und das Rote Meer, und er trennt zwei Kontinente, Afrika und Asien.

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Der Mann

Ferdinand Marie Vicomte de Lesseps (1805– - 1894) hatte als Sohn des französischen Generalkonsuls in Ägypten seine Kindheit zum Teil in Alexandria verbracht, wo er mit den Söhnen von Pascha Mohammed Ali verkehrte.

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Die Schiffe

Im Jahr nach der Eröffnung, 1870, passierten 468 Schiffe den Suezkanal. Zehn Jahre danach, 1879, waren es bereits 1.600 Schiffe, die neben der Nutzlast auch 72.000 Passagiere beförderten.

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Die Lesseps’sche Migration

Die Eröffnung des Suezkanals im Jahre 1869 hatte in zoogeographischer und ökologischer Hinsicht weitaus gravierendere Folgen, als dies jemals von den Erbauern bedacht worden war, die lediglich eine vorteilhafte Handelsroute zwischen Europa und Südostasien schaffen wollten.

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das_mittelmeer/biogeographie.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/04 11:46 von jakob