Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


Seitenleiste

Inhalt

Das Mittelmeer


Wissenschaftliche Arbeiten

About

das_mittelmeer:biogeographie:der_mann

Der Mann, der Afrika „zur Insel machte“

Ferdinand Marie Vicomte de Lesseps (1805– - 1894) hatte als Sohn des französischen Generalkonsuls in Ägypten seine Kindheit zum Teil in Alexandria verbracht, wo er mit den Söhnen von Pascha Mohammed Ali verkehrte.

1832 zum Vizekonsul in Alexandrien ernannt, pflegte er weiterhin freundschaftlichen Umgang mit einem von ihnen, Mohammed Said. Als dieser 1854 zum Pascha von Ägypten wurde, unterbreitete ihm Lesseps die auf den österreichischen Ingenieur Alois Negrelli (1799– - 1858) zurückgehenden Pläne zum Bau des Kanals. Der europäischen Ideen gegenüber aufgeschlossene Machthaber war einverstanden. Die Arbeiten sollten sechs Jahre dauern, die Kosten wurden auf 200 Millionen Francs geschätzt.

Am 25. April 1859 begannen die Bauarbeiten, bei denen neuestes technisches Gerät ebenso eingesetzt wurde wie internationale Experten.

74 Millionen Kubikmeter „Erdreich“ wurden bewegt, davon 17 Millionen zu Lande von 20.000 unter erbärmlichsten Bedingungen schuftenden, zwangsrekrutierten Fellachen, 57 Millionen von Baggern im Wasser. Im November 1862 verband der Kanal bereits das Mittelmeer mit dem Timsah-See, doch mussten die Arbeiten im Jahr 1863 bis 1866 aus politischen Gründen unterbrochen werden. Im Frühjahr 1869 begann die Auffüllung der nahezu ausgetrockneten Bitterseen vom Mediterran her, und am 15. August 1869 schließlich durchbrach Ali Pascha mit einem letzten Spatenstich den noch verbliebenen schmalen Damm zwischen den Bitterseen und dem Roten Meer. Endlich konnte das Wasser des Mittelmeeres bis nach Suez vordringen, Afrika war damit wieder „zur Insel gemacht“ worden.

Am 16. November 1869 eröffnete Frankreichs Kaiserin Eugénie, Gemahlin Napoleons III., den Suezkanal, am nächsten Tag passierte ihn der erste hochherrschaftliche Konvoi. Die Feierlichkeiten dauerten Wochen, die Spitzen der Politik und Aristokratie Europas versammelten sich im Nahen Osten. Ein grandioses Feuerwerk, ein Ball mit 6.000 Gästen in Port Said und die feierliche Eröffnung des Opernhauses in Kairo dienten zur Unterhaltung der Gäste. Die Nordeinfahrt des Kanals sollte eine von Frédéric Auguste Bartholdi geschaffene 46 m hohe Statue aus getriebenem Kupfer schmücken; die Ägypter verschmähten jedoch das Geschenk der Franzosen, und die Statue wurde schließlich 1886 auf einem 47 m hohen Sockel am Hudson River in New York aufgestellt. Als Freiheitsstatue ist sie längst weltberühmt geworden. Kulinarisch dürfte die Eröffnung bestens verlaufen sein: Der europäischen High Society wurde unter anderem poisson à la réunion des deux mers gereicht…

Auch hundert Jahre nach Eröffnung des Kanals und ungeachtet seiner Verwicklung in den Bankrott der Panamakanal-Gesellschaft 1899 war Ferdinand de Lesseps in keiner Weise vergessen: Am 26. Juli 1956 benutzte Staatschef Gamal

Abdel Nasser in einer Geschichte machenden Ansprache den Namen dieser Personifikation des europäischen Imperialismus, um den Beginn des militärischen Eingreifens Ägyptens und damit die Verstaatlichung des Suezkanals anzuzeigen. Schließlich wurde das 1896 anstelle von Miss Liberty aufgestellte Standbild Lesseps’ in Port Said von aufgebrachten Nationalisten gestürzt, der Sockel blieb jedoch stehen, und die Statue selbst ruht heute in den Docks von Port Fuad. Ungeachtet dessen empfängt die ägyptische Regierung nach wie vor hohe Staatsgäste in der ehemaligen Villa des Kanalerbauers in Ismailia und hat dort auch ein kleines Museum eingerichtet, in dem Funde aus der Zeit der Bauarbeiten zu sehen sind. Die vorderhand jüngste Ehre wurde Ferdinand de Lesseps durch Francis Dov Por zuteil, der die Einwanderung aus dem Roten Meer „Lessepssche Migration“ nannte.

das_mittelmeer/biogeographie/der_mann.txt · Zuletzt geändert: 2015/08/26 15:10 von jakob