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Das Mittelmeer


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Die Schiffe

Im Jahr nach der Eröffnung, 1870, passierten 468 Schiffe den Suezkanal. Zehn Jahre danach, 1879, waren es bereits 1600 Schiffe, die neben der Nutzlast auch 72.000 Passagiere beförderten.

Die Zahl hat bis vor wenigen Jahren kontinuierlich zugenommen: 3.389 Schiffe im Jahr 1890, 12.168 im Jahr 1952; 21.250 waren es im Jahr 1966, eine Zahl, die aufgrund der Sperre von 1967 bis 1975 erst 1978 mit 21.999 Schiffen übertroffen werden konnte; 1993 waren es 17.317, im Jahr 2000 nur mehr 11.748 Schiffe. Die Anzahl der Tankschiffe, die 1984 noch 3.638 betrug, ist ebenfalls seit Jahren rückläufig: 1985 waren es 3.425, im Jahr 2000 nur noch 2.137.

Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Suezkanal von durchschnittlich 40 Schiffen pro Tag befahren. Die Durchfahrt wird in Konvois von 15 bis 20 Schiffen unternommen, die in einem Abstand von 900 m von jeweils vier verschiedenen Lotsen durch die unterschiedlichen Abschnitte des Kanals geleitet werden. Dabei werden die schnellsten und neuesten Schiffe vorne eingereiht, während schwerfällige Öltanker, „Rostlauben“ oder „Seelenverkäufer“ das Schlusslicht des Konvois bilden. 13 Stunden dauert die gesamte, von den ägyptischen Behörden mit ungewöhnlicher Exaktheit organisierte Passage, auf der eine Geschwindigkeit von 13 - –14 km/h erreicht wird. Die Fahrrinne ist eng, Überholen gibt es auf dieser Einbahnstraße nicht, lediglich drei Ausweichstellen. Die von Norden und Süden auf die Minute genau geführten Konvois passieren einander in den parallelen Fahrrinnen südlich von Al Qantara und im Großen Bittersee. Bleibt ein Schiff liegen, ist der Kanal blockiert; und ein havarierter, brennender Öltanker ist ein Albtraum, vor dem selbst die Exxon-Valdez-Katastrophe 1989 in Alaska verblassen muss.

Der Suezkanal ist heute nicht nur eine der gefährlichsten, sondern auch eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Gegenüber der Strecke um das Kap der Guten Hoffnung verkürzt er den Seeweg von Europa nach Asien ganz beträchtlich: von Hamburg nach Bombay etwa um rund 4.500 Seemeilen, vom Persischen Golf nach Westeuropa und Nordamerika um ein Drittel. Geschätzte 14 Prozent des internationalen Handels gehen heute durch das Nadelöhr des Suezkanals (1967 waren es noch 20 Prozent): Tanker transportieren Rohöl aus dem Persischen Golf nach West- und Mitteleuropa; Kohle, Erze und Metalle werden ebenso befördert wie indische Textilien, koreanische Autos, japanische Fernseher, taiwanesische Computer und andere fernöstliche Hightechgeräte. In der Gegenrichtung, von Norden nach Süden, durchqueren leere Tanker, Schiffe mit Getreide, Kunstdünger, Zement und Fertigprodukten aus Metall den Kanal. Die modernen Supertanker hingegen müssen aufgrund ihrer nicht Suez-tauglichen Größe wieder die Südspitze Afrikas umrunden. Die beförderte Netto-Tonnage stieg von 437.000 Tonnen im Jahr 1870 auf 274 Millionen Tonnen 1966, erreichte 1978 248 Millionen, im Jahr 2000 schließlich 360 Millionen Tonnen. 1977 wurde als Alternative zum Suezkanal die zur Hälfte in ägyptischem Besitz befindliche SmedPipeline in Betrieb genommen; seit 1996 wird ihre Kapazität voll genutzt und jährlich 7 Millionen Barrel Rohöl von Suez nach Kairo gepumpt; eine zweite Pipeline könnte an Ägypten vorbei von den Golfstaaten ans Mittelmeer geführt werden.

das_mittelmeer/biogeographie/die_schiffe.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/04 12:01 von jakob