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Das Mittelmeer


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Geographische und biogeographische Grenzen des Mittelmeeres

Die geographisch-topographischen Grundlagen, die Entstehungsgeschichte, die Gliederung des Mittelmeeres in Teilbecken und seine Ozeanographie sind in den entsprechenden Kapiteln („Geologie und Entstehungsgeschichte“, „Geographie und Klima“ und „Ozeanographie und Wasserhaushalt“) ausführlich beschrieben.

Wegen ihrer biogeographischen Bedeutung sollen hier einige physikalische Grundlagen kurz wiederholt werden.

Die Schwelle von Gibraltar ist in vielfacher, auch biogeographischer Hinsicht ein wichtiger Punkt. Sie ist aber für viele Arten – vor allem jene der euphotischen Zone – dennoch keine scharfe Verbreitungsgrenze.

Die Schwelle zwischen Tunesien und Sizilien beeinflusst den Wasseraustausch innerhalb des Mittelmeeres und markiert eine auffällige biogeographische Zweiteilung in eine westliche und eine östliche Region. Erstere ist gegenüber dem Levantinischen Becken leicht nördlich versetzt. Biogeographen unterscheiden meist eine westliche, atlantisch-mediterrane Teilregion von einer östlichen, ponto-mediterranen Teilregion und innerhalb dieser – manchmal mehr oder weniger willkürlich – weitere Teilbereiche. Sie werden in diesem Kapitel diskutiert.

Durch die Dardanellen, das Marmarameer und den Bosporus besteht eine sowohl hydrographisch als auch biogeographisch wichtige Verbindung zum Schwarzen Meer.

Große ökologische und biogeographische Bedeutung haben hydrographische Aspekte, zum Beispiel unterschiedliche Wassermassen und Strömungen. Das Mittelmeer ist als Resultat starker Verdunstung bei gleichzeitig geringem Süßwassereinstrom vergleichsweise salzreich. Die Salinität beträgt im Durchschnitt 36,3 bis 39,1 ‰, wobei der Oberflächensalzgehalt von West nach Ost, von Gibraltar zur Küste Kleinasiens ansteigt. Die Nebenmeere des Mediterrans, zu denen aufgrund ihrer gemeinsamen paläogeographischen Herkunft aus der Paratethys neben dem Schwarzen Meer und dem Asowschen Meer in biogeographischer Hinsicht oft auch das Kaspische Meer und der Aralsee gerechnet werden, haben ein kälteres, kontinental geprägtes Klima. Alle vier genannten Gewässer haben eine deutlich niedrigere Salinität als das Mittelmeer, so dass man hier, vor allem im Randbereich, Brack- und Süßwasserbiozönosen vorfindet.

Neben Salinität, Sauerstoff- und Nährstoffgehalt spielt die Temperatur des Meerwassers für die Verbreitung und Diversität mariner Organismen eine entscheidende Rolle. Die gängige globale Zonierung der Weltmeere geht auf die Temperatur zurück. Im Mittelmeer ist die relativ niedrige Wassertemperatur im Winter, mit der viele Organismen nicht fertig werden, der entscheidende limitierende Faktor für die Ausbreitung tropischer Elemente. Dies wird aus der deutlich, die die sommerlichen und winterlichen Temperaturen des Mittelmeeres zeigt. Während im Sommer zum benachbarten tropischen Roten Meer kein großer Temperaturunterschied besteht im August sind es 20 - –25 °C im westlichen und 25 - –27 °C im südöstlichen Mittelmeer –, ist die Differenz im Winter markant. Die Wassertemperatur fällt im Roten Meer nicht unter 20 °C, in der Levante sinkt sie hingegen auf 16– - 17 °C ab, im Westbecken sogar auf 12 - –13,5 °C, in manchen Randbereichen noch tiefer.

Der Fischreichtum wird durch die relative Nährstoffarmut des Mittelmeeres begrenzt. Die produktivsten, nährstoffreichsten Regionen der Ozeane sind oft die Flachmeerbereiche des Kontinentalschelfs, wobei das von Pflanzen durch Photosynthese produzierte kohlenstoffhaltige organische Material als Maß der Primärproduktivität genommen wird. Der südöstliche Teil des Mediterrans weist dabei mit 0,15–0,25 g Kohlenstoff/ m3/Tag geringere Werte auf als die nordwestlichen Meeresgebiete und Randbereiche, wo mehr als 0,25 g Kohlenstoff/m3/Tag produziert werden.

das_mittelmeer/biogeographie/geographische_und_biogeographische_grenzen.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/04 11:48 von jakob