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Das Mittelmeer


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das_mittelmeer:geographie

Geographie Einleitung

Definition der Mittelmeerregion:

Gibt es klare Grenzen?

Das Mittelmeer und die mediterrane Region bilden einen nicht zu trennenden Komplex, einen Naturraum, eine Einheit, die für Europa in vielerlei Hinsicht einmalig ist. Es ist jedoch eine Einheit, die – je kleiner, differenzierter der angesetzte Maßstab ist – auf hoher Mannigfaltigkeit beruht.

Eine allumfassende geographische, geologische, klimatische, ökologische oder biogeographische Definition, die sämtliche Aspekte der mediterranen Vielfalt berücksichtigen und den Mittelmeerraum eindeutig abgrenzen würde, gibt es nicht. Unter „mediterran“ kann man ein Meer verstehen, eine Region, ein bestimmtes Klima (das noch in vier anderen Regionen der Welt zu finden ist), einen charakteristischen Naturraum und einiges mehr. Klimatische und vegetationsgeographische Grenzziehungen, etwa durch das Verbreitungsareal des Olivenbaums überschneiden sich zwar großräumig, in manchen Fällen weichen aber die in den einzelnen Definitionen vorgegebenen Grenzen erheblich voneinander ab.

Der Einflussbereich des Meeres auf das Land reicht in vielen Regionen – so auf der Apennin- und der Iberischen Halbinsel – weit ins Landesinnere, an anderen Stellen – wie in Dalmatien – beeinflusst das Meer nur einen schmalen Küstenstreifen. Hohe Gebirgszüge schränken die mediterran geprägte Region ein, die trotz der Einheitlichkeit des Klimas relativ starke regionale Unterschiede zeigt.

Kulturraum und Naturraum verschmelzen seit Jahrtausenden in einem Ausmaß, das eine scharfe Trennung beider unmöglich macht. Hier gibt es kaum noch ursprüngliche Naturlandschaften. Die historisch-politische Entwicklung der mediterranen Region mit der dazugehörigen agrarischen Nutzung, der Urbanisierung und Industrialisierung sowie dem Aufkommen des Tourismus wirkten und wirken sich dramatisch auf das Mittelmeer und das umgebende Land aus.

Eine auf den ersten Blick offensichtliche Abgrenzung der mediterranen Region bilden die bis über 4.000 m (Atlas, Alpen) hohen alpidischen Gebirgszüge rund um das Becken. Von der gebirgigen Umrahmung ausgenommen sind nur die südöstlichen Küsten des Mittelmeeres, wo die Afro-Arabische Tafel das Mittelmeer direkt berührt. In Ägypten und Libyen grenzt etwa die Wüste bzw. das aride Klima mit mediterranem Klimajahresgang oder sogar vollaridem Klima direkt an das Meer an. Die Gebirge des alpidischen Faltengürtels sind auf den Karten der Region dargestellt.

Bereits die Geomorphologie bzw. Topographie der Region – durch drei große Halbinseln (Iberische, Apenninische und Balkan) geprägt – ist für den Kontinent einmalig. Die Landschaft ist sowohl in ihrer horizontalen als auch in ihrer vertikalen Ausdehnung stark gegliedert, was zur Ausbildung eng angrenzender Abfolgen von klimatisch-ökologischen Kleinräumen führt. Sie bieten Platz für eine Vielzahl von Lebensräumen und Kleinlebensräumen, die wiederum die Entfaltung pflanzlichen und tierischen Lebens hoher Diversität zulassen.

Fernand Braudel, der große Chronist des Mediterrans: Lässt sich das Phänomen Mittelmeerregion allein durch trockene Naturwissenschaft erklären?

Manche – wohl durch das günstige Klima bedingte – Eigenheiten der Region wie Lebensweise und Lebensgefühl der hier lebenden Menschen lassen sich durch naturwissenschaftliche Zugänge nicht (erschöpfend) erfassen, sie sind daher selten Gegenstand von wissenschaftlichen Büchern. Naturwissenschaftliche, humanistische, geographisch-geschichtliche und ästhetische Zugänge schließen einander jedoch nicht aus, vielmehr ergänzen sie sich. Das ist in kaum einer anderen Region der Welt so intensiv zu spüren. Klassische Autoren, die das Wesen des mediterranen Raumes beschrieben und analysiert haben, hielten einen solchen Zugang für wichtig.

Fernand Braudel schrieb in seinem berühmten Werk Das Mittelmeer (1998): „Es gibt auf der Welt keinen Raum, der besser beleuchtet, besser inventarisiert wäre als das Gebiet des Mittelmeeres und der Länder, auf die sein Widerschein fällt. Doch auf die Gefahr hin, unseren Vorgängern gegenüber undankbar zu erscheinen, muß man sagen, daß die Masse dieser Veröffentlichungen den Forscher erdrückt wie ein Aschenregen. Zu viele dieser Studien sprechen eine Sprache von gestern, sind in mehr als einer Hinsicht veraltet. Was sie interessiert, ist nicht das weite Meer, sondern ein winziges Steinchen seines Mosaiks; nicht sein großes, bewegtes Leben, sondern die Taten der Fürsten und der Wohlhabenden, ein Staub verstreuter Tatsachen ohne gemeinsames Maß mit der mächtigen und langsamen Geschichte, die uns beschäftigt. Zu viele dieser Studien müßten noch einmal aufgenommen, in den rechten Gesamtmaßstab gebracht und problematisiert werden, wollte man sie zu neuem Leben erwecken.“

Und: „Kaum ist ein Augenblick vergangen, und schon ist ihr Vokabular alt geworden; was an ihnen neu war, geht in die Vulgata ein; und die gewonnene Erklärung fällt von selbst wieder in Zweifel.“

Kaum ein ernstzunehmendes Werk über das Mittelmeer – selbst wenn es sich mit „rein naturwissenschaftlichen“ Aspekten befasst – verzichtet darauf, aus dem Werk des Historikers Braudel (nach Ansicht vieler der „letzte Universalgelehrte“) zu zitieren. Diese „andere Geographie“ liefert Einsichten, ohne die das Mittelmeer in seiner Einheit mit dem umgebenden Land nicht verständlich wäre.

Zweifellos hat sich das Klima des Mediterrans günstig auf die Entfaltung der europäischen Kultur ausgewirkt. In dieser Region, der Wiege der abendländischen Zivilisation, sind große Teile des Kulturgutes der Erde zu finden. Der Mediterran verband seit dem Aufkommen der Schifffahrt Völker und Kulturen zwischen den Säulen des Herakles und dem Pontos Euxeinos, anstatt sie zu trennen, anders als die großen Ozeane, die von Europa aus lange Zeit kaum zu überwinden waren. Solche Aspekte – und das, was an Spuren der alten Zeit geblieben ist –, gemischt mit landschaftlichen und klimatischen Reizen, erklären zum Teil, warum sich rund um das Mittelmeer ein großer Teil des Welttourismus konzentriert. Die beunruhigenden ökologischen Folgen dieses Tourismusbooms sind an anderen Stellen dieser Webseite beschrieben.

Name: Mittelmeer? Mittelländisches Meer? Oder Meer zwischen den Bergen?

Mehrere Autoren haben in Anbetracht dieser Tatsache die Meinung vertreten, dass der Name „Meer zwischen den Bergen“ passender wäre als „Mittelländisches Meer“ oder eben Mittelmeer. Berge begleiten den Besucher mediterraner Küsten mit der genannten Ausnahme zwischen Tunesien und Ägypten (Grundgebirge mit junger Sedimentabdeckung oder junge Sedimentbecken) praktisch überall. In den das mediterrane Becken umgebenden Gebirgszügen entspringen auch die meisten Zuflüsse des Mittelmeeres. Eine große Ausnahme bildet der Nil, dessen Quellen 6670 Kilometer weiter südlich im tropischen Afrika liegen.

Der Mittelmeerraum und der Mensch

Neben tektonisch-geologischen, geographischen, klimatischen, ozeanographischen, ökologischen und weiteren Aspekten ist der mediterrane Naturraum seit vielen Jahrtausenden vor allem durch einen Faktor geprägt: den Menschen.

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Länderkundlicher Überblick

Die regionale Geographie versucht die raum-zeitlichen Interaktionen und Interdependenzen natur- und kulturräumlicher Phänomene darzustellen. Notwendige Voraussetzung hierfür ist eine Definition des darzustellenden Raumes.

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Die Teilräume

Landschaftskundlich gesehen zerfällt der Mittelmeerraum in mehrere Teilräume. Die Iberische Halbinsel begrenzt das Mittelmeer gegen Westen und trennt es vom Atlantik. Obwohl mit Barcelona (1,5 Millionen Einwohner) und Valencia (740.000 Einwohner) zwei wirtschaftliche Zentren an der Küste liegen und diese auch intensiv touristisch genutzt werden, erscheint der Großteil der Halbinsel binnen- oder atlantikorientiert.

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Bevölkerung und Wirtschaft

Die Bevölkerung des Mittelmeerraumes ist hinsichtlich ihrer religiös-kulturräumlichen Zugehörigkeit zweigeteilt: in einen christlichen West- und Nordteil und einen islamischen Ost- und Südteil. Unterschiede zwischen katholischen und orthodoxen Christen oder osmanischen und arabischen Moslems sind kaum landschafts- oder gesellschaftsprägend.

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Großrelief

In dieser Teilabhandlung geht es um einen kurzen Abriss der großräumigeren geomorphologischen Gliederung der Küstenlandschaft, um das Verständnis der wichtigsten Faktoren, die diese Landschaft prägen, und um die Erklärung wichtiger geomorphologischer Begriffe.

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Die Felsküste als Sedimentproduzent

Das Alter einer Küste, die Art ihrer Entstehung bzw. Genese (Transgressions- oder Regressionsküste) und die Art des Gesteins (Ursprung, chemische Zusammensetzung, physikalische Eigenschaften wie Härte usw.), aus dem die Küste besteht, beeinflussen zusammen mit den vorherrschenden äußeren Faktoren die Ausbildung der Landschaft.

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Sedimentküsten

Das vom Hinterland durch Flüsse ins Litoral eingebrachte Sediment kann im Mündungsbereich je nach vorherrschenden hydrodynamischen Bedingungen (Strömung, Gezeitenhub, Wellen) entweder Deltas ausbilden oder sich großräumig entlang der Küste verteilen und so entscheidend die Ausprägung der Küste, den Küstenverlauf verändern.

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Äolisches Georelief

Durch die Wirkung des Windes gebildete Landschaftsformen werden als äolisch bezeichnet. Manchmal können so ganze Inseln entstehen – wie Susak, eine kleine Nachbarinsel von Losinj in der Nordadria.

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Gliederung des Mittelmeeres

Das Mittelmeer erstreckt sich über eine tektonisch aktive Kollisionszone zwischen Europa und Afrika. Seine geographische Grenze nach Westen ist durch die Linie zwischen Kap Trafalgar und Kap Spartel (Ra’s Spartel) markiert, das heißt, die ganze Länge der Straße von Gibraltar wird noch zum Mittelmeer gerechnet).

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das_mittelmeer/geographie.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/02 13:45 von jakob