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Das Mittelmeer


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Das West- und Ostbecken

Das Mittelmeer gliedert sich in zwei große Hauptbecken: das mit einer Fläche von etwa 860.000 km2 kleinere West- und das mit 1.682.000 km2 größere Ostbecken, sowie in weitere kleinere Teilbecken.

Der Einfluss des Atlantiks ist im Westbecken wesentlich stärker als weiter im Osten; die Strömung des Atlantikwassers verzweigt sich in mehrere Kreisläufe, die einzelne Teilbecken wie das Balearenbecken und das Tyrrhenische Meer beeinflussen.

Die Aufteilung in zwei Hauptbecken ist nicht nur geographisch begründet, sondern wie gesagt vor allem durch die Topographie des Meeresbodens im Bereich der Straße von Sizilien zwischen Cap Bon in Tunesien und der südwestlichen Spitze Siziliens. Daraus ergeben sich ozeanographische und biogeographische Unterschiede. Die Breite der Straße von Sizilien allein würde die Unterschiede nicht völlig erklären können, entscheidend ist die untermeerische Topographie. Innerhalb der 130–.140 km breiten Meeresstraße erstreckt sich von der tunesischen Seite her ein maximal 80 m tiefes Schelf über 30 km; von der sizilianischen Seite ragt die bis zu 80 km breite Banco Avventura (Adventure Bank), ein sehr seichtes Schelfgebiet, vor. Somit ist mehr als die Hälfte der Straße durch seichtes Schelf geprägt.

Eine eustatische Senkung des Meeresspiegels um 80 m würde eine nur 30 km breite Verbindung zwischen West- und Ostmediterran offen lassen, die an der tiefsten Stelle zwar 380 m tief, an vielen Stellen aber von dicht an die Wasseroberfläche reichenden Untiefen und Bänken unterbrochen wäre. Diese Situation ist im Verlauf der Eiszeiten zweifellos mehrfach eingetreten. Die nur 3 km breite Straße von Messina ist die einzige andere Verbindung zwischen dem Tyrrhenischen Meer im Norden und dem Ionischen Meer im Süden und damit zwischen dem Ost- und dem Westbecken. Ihr Nordausgang gilt als Trennlinie der beiden Hauptbecken.

Während das erdgeschichtlich ältere östliche Mittelmeer seine Formung dem gewaltigen Druck verdankt, der durch das Aufrücken der Afrikanischen auf die Eurasiatische Platte zustande gekommen ist, wodurch das ursprüngliche Tethysmeer eingeengt wurde, ist das jüngere westliche Mittelmeer in Folge von Dehnungsprozessen entstanden. Bereits früh hat der Schweizer Geologe Emil Argand diese Hypothese formuliert. Der italienische „Stiefel“ löste sich demnach von der heutigen Iberischen Halbinsel und driftete gegen den Uhrzeigersinn mit einer Drehung von mehr als 60 Grad nach Osten, bis er mit der Balkanhalbinsel zusammenstieß. Analog dazu sind Korsika und Sardinien entstanden, die heute das Balearenbecken vom Tyrrhenischen Becken trennen, sowie die Inselgruppe der Balearen selbst. Für das östliche Becken als Rest des Tethysmeeres charakteristisch ist eine in Ost-West-Richtung verlaufende untermeerische Gebirgskette, die sich mehr als 2.000 m über die Ebene des Meeresgrundes erhebt. Nördlich dieser submarinen Bergkette liegt der Hellenische Graben, in dem das Mittelmeer mit 5.120 m seine größte Tiefe erreicht; noch weiter nördlich erstreckt sich eine Kette von Inseln und Halbinseln (Ionische Inseln, Peloponnes, Kreta, Rhodos), die man als Inselbogen-System ansehen kann. Derartige Inselbogen-Systeme sind Regionen hoher Erdbebenaktivität; in ihrer Nähe herrscht aktive vulkanische Tätigkeit, die vielfach verheerende Folgen für antike Kulturen hatte (z. B. Santorin).

Die nördliche Steilwand des Hellenischen Grabens wird als Grenze der Europäischen Platte angesehen; am Fuß des Abhangs berührt die Europäische die Afrikanische Platte, die unter der Europäischen verschwindet (Subduktion). Der Boden des Hellenischen Troges gehört also noch zur Afrikanischen Platte, er schiebt sich langsam unter die Europäische Platte mit ihren zahlreichen Inseln, was zu gesteigerter Erdbebentätigkeit führt. Die Afrikanische Platte wird unter der Subduktionszone wieder eingeschmolzen und liefert das Material für den noch immer aktiven Vulkanismus.

Die zwei Hauptbecken werden in Teilbecken zweiter und dritter Ordnung gegliedert, die – wenn man so will – zum Teil als weitere, kleinere Mittelmeere betrachtet werden können. Allerdings ist die Benennung der Randmeere mehr eine Frage der Konvention als eine Zuordnung nach streng wissenschaftlichen Kriterien Die Adria ist intrakontinental, die Ägäis – wie das gesamte Mittelmeer – interkontinental (zwischen zwei oder mehreren Kontinenten eingekeilt). Das Schwarze Meer könnte man als Nebenmeer des Europäischen Mittelmeeres ebenfalls als interkontinentales Mittelmeer ansehen, obwohl eine derartige Klassifizierung nicht eingebürgert ist.

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das_mittelmeer/geographie/das_west-_und_ostbecken.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/02 14:02 von jakob