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Das Mittelmeer


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Die Felsküste als Sedimentproduzent

Das Alter einer Küste, die Art ihrer Entstehung bzw. Genese (Transgressions- oder Regressionsküste) und die Art des Gesteins (Ursprung, chemische Zusammensetzung, physikalische Eigenschaften wie Härte usw.), aus dem die Küste besteht, beeinflussen zusammen mit den vorherrschenden äußeren Faktoren die Ausbildung der Landschaft.

Weiche Gesteine sind gegen die Einwirkung äußerer Kräfte anfällig, Kalk wird stark durch Bioerosion angegriffen. Regressions- oder Auftauchküsten sind meist flach, eintöniger und reliefärmer – da aus eingeebnetem ehemaligem Schelf entstanden – als Transgressions- oder Untertauchküsten. Allerdings darf man bei der Interpretation einer bestimmten Küstenausprägung nicht voreilig sein, da bei ihrer Genese viele Faktoren eine Rolle gespielt haben können und das Ergebnis selbst Fachleute zu irrigen Schlussfolgerungen verleiten kann.

Etwa 50– - 55 Prozent der Mittelmeerküsten sind felsig. Das ist im Vergleich zum weltweiten Ausmaß viel, da man den Anteil der Sandstrände im globalen Rahmen – Sande gehören aufgrund ihrer hohen Mobilität zu den häufigsten Küstensedimenten – auf 80 Prozent schätzt, jenen mit anstehendem Fels nur auf 15 Prozent. Unter dem Meeresspiegel zeigt sich die Dominanz der Sedimente noch stärker. Nur ein geringerer Teil des gesamten Meeresbodens wird durch felsige Steilhänge bzw. steilen Küstenabfall aus anstehendem Fels oder aus großen Felsblöcken gebildet – und zwar dort, wo die Hydrodynamik für eine Befreiung von den ständig vom Meer herangetragenen autochthonen (im Meer entstandenen) und allochthonen (terrigenen) Sedimenten sorgt. Der Großteil des Meeresbodens ist jedoch von – zum Teil recht dicken – Sedimentschichten und damit losem Material bedeckt.

Die geomorphologisch gestaltende Kraft der Felsküsten ist zu einem beträchtlichen Teil die Abrasion, die abtragende Wirkung der Brandung. Diese Brandungserosion wirkt sowohl an Locker- als auch an Festgesteinen, im letzteren Fall führt sie zur der Abrasionsplattform. Diese leicht gegen das Meer hin geneigte Fläche wurde von der Brandung selbst oder durch sie bewegte Gerölle abgeschliffen. Küstennahe Flächen, die durch die Brandung planiert wurden, werden allgemein als Abrasionsflächen bezeichnet. Rezente Abrasionsflächen bzw. die Abrasionsplattform reichen so weit in die Tiefe, wie die Kraft der Wellen noch das Substrat gestalten und umformen kann; vorzeitliche (pleistozäne, eiszeitliche) Abrasionsflächen können sowohl mehr als 100 m unter als auch über dem heutigen Meeresspiegel liegen. Marine Strandterrassen als Folge vertikaler tektonischer Bewegungen sind ein markantes Charakteristikum vieler Mittelmeerküsten.

Die Unterspülung der Küste aus anstehendem Fels durch das Meer (bzw. durch Bioerosion) führt zum Abbrechen großer Gesteinsblöcke, wodurch Kliffe (cliffs) unterschiedlicher Höhe entstehen – steile bis senkrechte felsige Böschungen und gleichzeitig imposante landschaftliche Kulissen. Das Kliff weicht im Laufe der Zeit landwärts zurück, wodurch sich eine ausgedehnte Brandungsplattform (Abrasionsplattform, auch als Abrasionsplatte, Abrasionsterrasse, Strandplatte oder Schorre, engl. shore bezeichnet) bilden kann. Das dadurch entstandene Material wird durch hydrodynamische Kräfte und Bioerosion weiter in große Felsblöcke, Blockfelder, Geröll, Kies, Sand, Schlamm und Ton verkleinert; die letzteren feinpartikulären Substrate werden an hydrodynamisch geschützten Stellen wie seichten Buchten und in Lagunen abgelagert.

Die weitere Entwicklung der Litoral- bzw. Küstenlandschaft hängt wesentlich vom Grad der Küstenneigung ab. Wenn diese gering ist, kann sich an den Kaps und Kliffe als Ursprungsgebiet eine vollständige, der Größe nach sortierte Sedimentabfolge entwickeln: mit großen Felsblöcken beginnend, über Geröll und Sand bis zum Schlamm. Gesteinshalden setzen sich dann unter Wasser, auf dem so genannten Litoralabhang oder Deklivium, bis in größere Tiefen fort. Wenn der Neigungsgrad des Untergrundes hoch ist, kann sich ein Kap oder Kliff unter Wasser bis in größere Tiefen fortsetzen. Wenn Strömungen die Felswand von Sedimenten frei halten, bilden sich hier die unter Tauchern begehrtesten Unterwasserlandschaften des Mittelmeeres: stark gegliederte, mit Gorgonien bewachsene Steilwände mit Überhängen und Höhlen, die in ihrer Schönheit tropischen Korallenriffen in keiner Weise nachstehen. Solche Steilwände können sich bis 50 oder sogar 80 m Tiefe fortsetzen, bevor sie in den sandigen Sedimentboden übergehen.

Ausprägung, Höhe und Neigungswinkel der Kliffe, die etwa Teile der spanischen Mittelmeerküste prägen, hängen von vielen Faktoren ab, wie: Art des Gesteins bzw. Substrats, Lagerungsart des Substrats und der Exposition der Küste (Dauer und Intensität der einwirkenden Brandung) sowie ganz maßgeblich von seinem Alter und damit erdgeschichtlichen Veränderungen. Kliffe verlieren mit der Zeit seine markante, steile Form, die Substratneigung wird geringer, die Abrasionsplattform breiter.

das_mittelmeer/geographie/die_felskueste_als_sedimentproduzent.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/02 13:41 von jakob