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Das Mittelmeer


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Die Teilräume - naturräumlich-geographische Charakterisierung

Landschaftskundlich gesehen zerfällt der Mittelmeerraum in mehrere Teilräume. Die Iberische Halbinsel begrenzt das Mittelmeer gegen Westen und trennt es vom Atlantik. Obwohl mit Barcelona (1,5 Millionen Einwohner) und Valencia (740.000 Einwohner) zwei wirtschaftliche Zentren an der Küste liegen und diese auch intensiv touristisch genutzt werden, erscheint der Großteil der Halbinsel binnen- oder atlantikorientiert.

Ibersiche Halbinsel

Der spanische Zentralraum und uneingeschränkt Portugal weisen in ihrer historischen Entwicklung und in ihren heutigen wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen enge Beziehungen zu West- und Mitteleuropa wie auch zum amerikanischen (zum geringen Teil afrikanischen) Kontinent auf. Der schmale Küstenstreifen entlang des Mittelmeeres und die wenigen Küstenhöfe mit jungen Sedimenten sind ein Herbstregengebiet. Bedingt durch die Leelage fällt eher wenig Niederschlag (< 600 mm), und die ariden Monate nehmen von zwei im Norden auf sechs im Süden zu (hier befindet sich auch der trockenste Punkt Europas: Gata, 122 mm; Almeria, 215 mm).

Französische Küste

Der Abschnitt der französischen Küste von den Pyrenäen bis zu den Meeralpen als Ende des Alpenbogens ist traditionell mittelmeerorientiert. Das Klima, die Witterung sowie die Vegetation kann als typisch mediterran angesehen werden. Durch das Hinterland des Golfe du Lion dringen im Winter die kalten maritimen Luftmassen von Nordwesten in den Mittelmeerraum vor und ebenso die kalten Fallwinde – der Mistral ist ein typisches Charakteristikum. Neben dem wirtschaftlichen Zentrum von Marseille (800.000 Einwohner) mit Raffinerien und petrochemischer Industrie wird die Küste vorwiegend touristisch genutzt. Eine starke Belastung der Umwelt ergibt sich außerdem durch den Eintrag der Rhône, einem der wenigen großen Flüsse aus den humiden Breiten mit einer permanent starken Wasserführung.

Die Appenin-Halbinsel

Die Apenninische Halbinsel ist jene Region, die in vielen Aspekten als vollmediterran gilt. Sie ragt durch ihre schmale, lange Form tief in das Mittelmeer hinein, hat eine sehr lange Küste im Vergleich zur inneren, gebirgigen Landmasse. Sowohl Klima, Vegetation, Landnutzung, Haus- und Siedlungsformen als auch die Mentalität der Bewohner gelten als typisch südländisch-mediterran. Die Niederschläge fallen vorwiegend im Herbst, zeigen deutlich Luv- und Leelage an, womit sich auch die Dauer der Trockenperiode ändert. Die geschichtliche Entwicklung zeigt die starke Orientierung auf das Mare nostrum: so beispielsweise der römische Imperialismus und die venezianische Handelsmacht. Mit Ausnahme des oberitalienischen Industriereviers und des Zentralraumes um Florenz liegen fast alle wirtschaftlichen Zentren an der Küste (Rom: 2,7 Millionen Einwohner, Neapel: über eine Million, Palermo: 700.000, Genua: 650.000, Bari: 350.000, Venedig: 300.000 Einwohner).

Die Schifffahrt und der Fischfang spielen eine bedeutende wirtschaftliche Rolle, es ist aber vor allem der sommerliche Badetourismus, der als vom Mittelmeer direkt beeinflusster Wirtschaftssektor große Bedeutung hat. Parallel dazu muss die übermäßige ökologische Belastung der Küstengebiete gesehen werden, deren kontrollierte Verringerung nur sehr zögerlich vor sich geht. Dies gilt vor allem auch für das Mündungsgebiet des Po, dem zweiten großen Fluss mit gleichmäßiger Wasserführung.

Die Balkanhalbinsel

Ein an sich sehr inhomogener Raum ist die Balkanhalbinsel. Schmale Küstensäume und kleine Küstenhöfe haben ein vollmediterranes Klima mit bis zu vier ariden Monaten, im gebirgigen Hinterland herrschen vielfach Übergangsformen mit mehr Feuchtigkeit. Auch das Windregime zeigt einen deutlich jahreszeitlichen Wechsel. Die Bora als kalter Fallwind in der Adria im Winterhalbjahr und die Etesien als warmer Wind in der Ägäis im Sommerhalbjahr sind typisch. Die Hauptregenzeit wechselt von Herbst im Norden zu Winter im Süden. Hohe Niederschlagswerte (> 2.000 mm) werden vor allem in den Bergregionen (Luvlage) gemessen. Diese naturräumlichen Determinanten nützt auch die traditionelle Fernweidewirtschaft aus, während die alten Siedlungsstandorte an der Küste liegen, dort, wo es Häfen gegeben hat bzw. immer noch gibt.

Griechenland

In historischer Zeit waren es vor allem die griechischen Stadtstaaten, dann die römischen Nachfolgesiedlungen, gefolgt von byzantinischen und schließlich den osmanisch besetzten Zentren, von denen eine kulturlandschaftliche Entwicklung ausgegangen ist. Diese trat jedoch punktuell auf, was eine weitgehende Schonung der Umwelt bis weit herauf in die Gegenwart bedingte. Erst mit Einsetzen einer heute gescheiterten ideologisch-politischen Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch die wirtschaftliche Nutzung umgestellt und intensiviert. Stärkere Eingriffe in den Naturhaushalt waren die Folge. Heute wird die Balkanhalbinsel in mehrere kleine Staaten zergliedert, wobei deren schwache wirtschaftliche Struktur kaum eine Berücksichtigung ökologischer Aspekte erlaubt. Es scheint auch, dass der Umweltschutz in der Mentalität der Bewohner noch nicht sehr stark verankert ist. So beginnt jetzt die Verwaltung der Stadt Athen, mit Informationskampagnen diesen Gedanken der Öffentlichkeit bewusst zu machen. Es gibt nur verhältnismäßig wenige direkt an der Küste liegende Industriezentren: Rijeka: 170.000 Einwohner, Split: 200.000 Einwohner, Saloniki: 400.000 Einwohner; die regional verursachte Meeresverschmutzung hält sich davon abgesehen in Grenzen. Massiv ist sie hingegen im griechischen Zentralraum um Athen (3,2 Millionen Einwohner) und im Raum um Istanbul (über 8 Millionen Einwohner).

Kleinasien

Die kleinasiatische Halbinsel begrenzt das Mittelmeer im Nordosten und trennt es vom Schwarzen Meer. Ihre orographische Differenzierung zwischen Küstenebenen und den anatolischen Beckenlandschaften lässt vollmediterranen Charakter ebenfalls nur im ersten Bereich finden. Bis sechs aride Monate und ausgiebiger Regen fast ausschließlich im Winter kennzeichnen die kleinasiatische Küste. Schon frühzeitig von Griechen kolonialisiert, finden sich zahlreiche Küstensiedlungen und eine traditionelle Landnutzung. Die größte Hafenstadt ist Izmir (2,1 Millionen Einwohner), gefolgt von Antalya (600.000 Einwohner). Die Industrialisierung erfolgte bis heute nur punktuell, eine starke agrarische Nutzung bildet neben dem Tourismus die wirtschaftliche Basis.

Die Levante

Die Levante, der Küstenabschnitt im Osten, ist durch küstenparallele Gebirgszüge charakterisiert, entsprechend schmal ist auch der mediterran beeinflusste Raum. Außerdem zeigt er deutlichen Übergangscharakter zu den trockenen Gebieten der Arabischen Halbinsel und Nordostafrikas. Seit dem 6. Jahrhundert unter islamischem Einfluss und durch die Protektoratszeit politisch irritiert, stellt die Levante noch heute eine Zone gesellschaftlich-politischer Unsicherheit dar.

Nordafrika

Die Küste Nordostafrikas unterliegt voll dem Einfluss der trockenen Landmassen im Süden. Sie hat kaum einen humiden Monat im Jahresdurchschnitt, die Niederschlagsmengen liegen oftmals weit unter 250 mm. So können auch mediterrane Verhältnisse (z. B. in der Vegetation) kaum Platz greifen. Einen Sonderfall bildet der Deltabereich des Nils, ein Gebiet intensivster Nutzung auf Basis künstlicher Bewässerung. Der Nil hat seine Rolle als größter Wasser- und Sedimentspender des Mittelmeeres verloren, dafür wurde er zu einem großen Schadstoffeinbringer. Letzteres vor allem dadurch, dass alle Wirtschafts- und Industriezentren Ägyptens am Nil liegen und deren Technologie nicht Stand der Technik ist.

Nordafrika / Maghreb

Die nordwestlichen Teile der afrikanischen Küstenregion mit Tunesien, Algerien und Marokko zählen zum Maghreb. Infolge der andersartigen Reliefgestaltung durch den Atlas, ein von Westen nach Osten verlaufendes Gebirgssystem, kann der Einfluss des ariden Südens hintangehalten werden und sich daher wieder eine wenn auch nur schmale mediterrane Küstenzone herausbilden – ein ausgesprochenes Winterregengebiet mit bis zu sechs ariden Monaten. Diese Räume wurden hinsichtlich Stadtentwicklung und Landnutzung durch die vorwiegend französische Protektoratszeit geprägt und sie befinden sich immer noch in unterschiedlichem Maß auf der Suche nach ihrer Identität und selbstständigen Lebens- und Wirtschaftsform. Eine traditionelle landwirtschaftliche, eine noch geringe industrielle und touristische Nutzung, jedoch eine starke Konzentration der Bevölkerung in den urbanisierten Räumen steigern die Umweltgefährdung. Der Raum Tunis (1,7 Millionen Einwohner) und jener um Algier (3,7 Millionen) sind die größten Ballungsräume.

das_mittelmeer/geographie/die_teilraeume.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/02 13:34 von jakob