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Das Mittelmeer


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Aus der Geschichte der Meeresforschung am Mittelmeer

Aus der Geschichte der Ozeanographie und Meeresforschung im Mittelmeer

Eine erschöpfende Darstellung des Themas war aus Platzgründen unmöglich – nur kleine Ausschnitte der Wissenschaftsgeschichte über das Meer können hier exemplarisch präsentiert werden (einen guten Überblick bietet Schefbeck, 1991). Der Mittelmeerraum ist nicht nur die Wiege der europäischen Zivilisation; mit Aristoteles kann er sich auch des ersten Meeresbiologen rühmen, der von vielen mediterranen Organismen, ihrer Physiologie und auch schon manchen Wechselwirkungen zwischen ihnen sehr konkrete Vorstellungen hatte. Obwohl die Fläche des Mittelmeeres weniger als 1 Prozent des Weltmeeres einnimmt, wurden hier viele wichtige Entdeckungen der Ozeanographie und Meereskunde gemacht. Deutsche und österreichische Wissenschaftler – in der Zeit der Doppelmonarchie war Österreich auch ein “Mittelmeerland“ – haben am Aufschwung der Meereskunde maßgeblichen Anteil.

Die nachfolgende Übersicht bietet eine kleine, unvollständige Auswahl von Namen, Jahreszahlen und Ereignissen, die entweder einen direkten mediterranen Bezug haben oder aber wichtige Meilensteine in der Entwicklung der Ozeanographie bzw. Meereskunde im globalen Maßstab darstellen.

Bereits die griechische Mythologie zeigt, wie intensiv sich die frühen Bewohner der Mittelmeerküsten mit dem Meer beschäftigt haben. Das Mittelalter – man hat als Ursache der Gezeiten riesige Seeungeheuer angenommen und die Ozeane für bodenlos gehalten – brachte kaum neues Wissen zur Erkenntnis des Meeres; es ist daher hier weitgehend ausgeklammert. Die Naturwissenschaften, speziell die Biologie war durch das Festhalten an den Lehren des Aristoteles geprägt. Das bedeutet nicht, dass kein Wissen gesammelt wurde; das Mittelalter war nicht in jeder Hinsicht so “finster“, wie man immer meint. So berichtete 703 der britische Mönch Beda Venerabilis, dass der Unterschied zwischen Ebbe und Flut im Winter größer ist als im Sommer. Gegen Ende des Mittelalters und mit Beginn der Neuzeit war das Interesse am Meer hauptsächlich pragmatischer und weniger akademischer Natur – motiviert durch die Reichtümer an anderen Meeresufern, die nur über das Meer erreicht werden konnten. Erst mit dem Beginn der Renaissance und ihrem neuen Gedankengut erwachte auch das (vor-)wissenschaftliche Interesse am Meer.

Die Seefahrt war auf hydrographische Informationen über Gezeiten, Winde, Strömungen und Ähnliches angewiesen; solches Wissen wurde lange Zeit nur mündlich überliefert. Spätestens ab dem Jahr 1290 hat es Vorgänger der Nautischen Handbücher gegeben, die Portolane oder Portolankarten. Diese Hafenbücher enthielten Informationen über Küstenverläufe und Riffe, Wassertiefen, Häfen und Ankerplätze, Winde und Strömungen. Ihre Angaben dienten aber wie bereits betont keinem wissenschaftlichen Zweck, sondern allein dazu, die Kapitäne vor Untiefen zu warnen und sicher in die Häfen zu führen. Später war das Liber Insularum Archipelagi im Gebrauch. Um 1700 sind durch die Seefahrernationen erstmals hydrographische Dienste und Ämter eingerichtet worden. Das Denken der Seefahrer war aber aus verständlichen Gründen – das Meer mit seinen Bewohnern war eine völlig unbekannte, fremde und gefährliche Welt – lange Zeit durch eine abergläubische Scheu vor dem Meer und der Welt unter Wasser geprägt.

Eine systematische, nach wissenschaftlichen Kriterien vorgehende Ozeanographie hat es erst mit dem Beginn der Neuzeit gegeben. Seit dem 19. Jahrhundert haben drei entscheidende Faktoren zu einem rasanten Fortschritt, einem markanten Schub in der Entwicklung der Ozeanographie und Meereskunde beigetragen: die ozeanographischen Expeditionen bzw. Forschungsfahrten mit speziell dafür ausgerüsteten Schiffen (“Probably the most important oceanographic instrument is the research ship“; David A. Ross), die Gründung meeresbiologischer Stationen, wobei der zweite Faktor zeitlich eng dem ersten folgte, und letztlich die Entwicklung des SCUBA-Tauchens gegen Ende des Zweiten Weltkriegs (siehe 1943). Die Errichtung meeresbiologischer Stationen sollte den schnellen und möglichst unkomplizierten Zugang zum biologischen Untersuchungsmaterial aus dem Meer sichern. Adolf Steuer, Zoologe an der Universität Innsbruck, kommentierte diesen verständlichen Wunsch der Biologen allerdings so: “Material verarbeiten ist wichtiger, freilich auch schwieriger, als Material fischen.“ Er hatte recht: In den Museen und Instituten der Welt lagern viele im 19. Jahrhundert gesammelte und nie untersuchte marine Organismen. Eine neue Ära – etwa seit 1980 – ist durch die Entwicklung der Satellitenfernerkundung eingeleitet worden.

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das_mittelmeer/geschichte.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/04 14:20 von jakob