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Das Mittelmeer


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das_mittelmeer:oekologische_situation

Einleitung

„Der Mensch von heute muss endlich aufhören, sich noch länger seinen romantischen Knabenträumen über das Meer hinzugeben. Auch sollten wir nicht mehr in die See hinein-,geheimnissen’, als in ihr ist. Wir haben es zwar mit Geheimnissen zu tun, aber auch mit Problemen, für die wir eine Lösung finden müssen und können“ ( Jacques-Yves Cousteau).

Kein anderes Meer ist so lange und so intensiv der menschlichen Nutzung, vor allem aber den Folgen übermäßiger Ausbeutung ausgesetzt gewesen wie das Mittelmeer. Sein Reichtum prägte die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Länder an seinen Küsten, diente es doch als Fischbecken und als Wasserstraße, als Handelsweg und als Entdeckerroute zu neuen Ufern. Seither hat seine Nutzung und damit die Ausbeutung seiner Ressourcen, verbunden mit einer immer bedrohlicher werdenden Verschmutzung, stark zugenommen. Im Zuge der industriellen Revolution wurden Stoffe entwickelt, die in der Natur so nicht vorkommen bzw. der Natur völlig fremd sind, die aber heute fast wie selbstverständlich als täglicher Abfall das Meer belasten. Zusätzlich verändert der Tourismusboom seit einem Jahrhundert das Gesicht der Küstenzonen. Urbanisierung und Industrieanlagen verkleinern die naturbelassenen Zonen mehr und mehr und damit das Rückzugsgebiet für gefährdete Tiere und Pflanzen. Um so wichtiger scheint es, sich ein Bild über den heutigen Zustand der Küstenzonen und des Meeres zu machen.

Ausgewählte Problemkreise

Bis heute hat der Mediterran nicht viel von seiner faszinierenden Wirkung auf den Besucher und nur wenig von seiner wirtschaftlichen Ertragfähigkeit eingebüßt. Allerdings ist das Mittelmeer eines der am stärksten belasteten und bedrohten Meere der Welt.

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Problemkreis Eutrophierung

Unter Eutrophierung versteht man den Prozess der Anreicherung mit Nährstoffen, in erster Linie Phosphaten und Nitraten, der zur gesteigerten Primärproduktion führt. Große Mengen der produzierten Biomasse sinken zum Meeresgrund ab, wo der Abbau durch Mikroorganismen beginnt – durch das steigende Nahrungsangebot vermehren sich diese explosionsartig.

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Problemkreis Öl

Als Folge des hohen Energiebedarfs in Europa gehört das Mittelmeer heute zu den am stärksten mit Öl belasteten Gewässern der Erde. Öl als Träger fossiler Energie ist die Basis der Industrie und des Verkehrs sowie der modernen Landwirtschaft.

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Wo bleibt das "„entlaufene"“ Öl?

Nach Schätzungen der UNEP (United Nations Environmental Program) gelangen jährlich 120.000 Tonnen Öl ins Mittelmeer; Greenpeace-Wissenschaftler halten sogar eine Menge von 635.000 Tonnen für realistisch.

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Auswirkungen des Öls

Die Verschmutzung durch Rohöl oder durch Erdölprodukte hat weitreichende Auswirkungen. Sie führt in den betroffenen Gebieten zum Tod vieler Tiere und Pflanzen und kann die lokale Fischerei damit zum Erliegen bringen. Aufgrund seiner chemischen Beschaffenheit heftet sich Öl an alle Stoffe mit geringem Wasseranteil. Beispielsweise werden die wasserabweisenden, fetthaltigen Federn von Seevögeln sofort vom Öl umhüllt, wenn ein Tier damit in Kontakt kommt. Der Tod ist dann nahezu unausweichlich. Die Tiere vergiften sich entweder beim Versuch, sich vom Öl zu befreien, oder sie verhungern oder ertrinken, weil sie ihre Schwimmfähigkeit verlieren. Fischschwärme bleiben aus, sessile Meeresorganismen ersticken unter dem Ölteppich und werden ungenießbar. Das Öl verklebt Fischernetze und Reusen und verschmutzt die Strände. Auch die Kleinstlebewesen im Meer – Bakterien, Phyto- und Zooplankton – werden durch das Gift beeinträchtigt. Diese Organismen besitzen Zellmembranen, die an den Austausch gelöster Stoffe angepasst sind. Das hydrophobe Öl löst sich in den Zellmembranen auf, und es kommt zum Stillstand beim Austausch von Metaboliten, Nährsalzen und Spurenelementen. In hohen Konzentrationen lösen hydrophobe Substanzen die Zellmembranen auf, die Zellen sterben ab.

Lösungsansätze

Seit mehr als sieben Jahrzehnten wird das Mittelmeer kontinuierlich durch Öl belastet. Aufgrund der weltweit ständig wachsenden CO2-Mengen, Resultat der Nutzung fossiler Energieträger wie Öl, muss das vorrangige Ziel die Verminderung des Ölverbrauchs sein; der Einsatz erneuerbarer Energie ist ein Gebot der Stunde. Dabei stellt die Solarenergie besonders in der Mittelmeerregion eine vorzügliche Alternative zur herkömmlichen Energiegewinnung dar. Ein weiteres Ziel sollte es sein, zu verhindern, dass Öl überhaupt in die Umwelt gelangt. Dafür fordern Naturschützer schon seit langem, dass Supertanker sicherer und Raffinerien sauberer werden. Seit 1995 fördert die EU die umweltgerechte Reglementierung der Öltransporte auf dem Meer. Über das Mediterranean Environmental Technical Assistance Program (METAP) werden in Südeuropa und auch außerhalb der EU in allen Staaten des Mittelmeerraumes Kredite für Forschung und Durchführung von Projekten gewährt, die eine Verschmutzung des Meeres durch Öl und chemische Produkte verhindern sollen. Doch noch immer werden Ballasttanks auf dem Meer entleert und fahren Tanker mit „hauchdünnen“ Wänden über das Mittelmeer.

Die Forschung hinsichtlich des Einsatzes von Meeresbakterien, die sich von Erdöl ernähren (hydrocarbonoclastische Bakterien: Meeresbakterien, die nur auf Öl wachsen), läuft auf Hochtouren. Die Eigenschaften solcher Bakterienarten werden derzeit eingehender untersucht, sollen sie doch bei der Reinigung der Tanks an Bord und in den Reinigungseinrichtungen an Land kostengünstig eingesetzt werden. Auch könnten die Bakterien bei einem Ölunfall den Schaden minimieren. In konzentrierter Form in das verseuchte Gebiet gebracht, sollen die Abbauraten wesentlich erhöht und damit die Verweildauer des Öls im marinen System verkürzt werden. Bislang beschäftigen sich die Forscher erst mit der Charakterisierung der Arten und der Analyse ihres Stoffwechsels, die Forschung steht also noch am Anfang.

Problemkreis Chemie

Die vielfältige Nutzung von Land und Wasser durch den Menschen hat seit jeher die Gewässer belastet. Lange Zeit wurden Flüsse, Seen und nicht zuletzt das Meer als unermesslich große Auffangbecken für Abfall und Unrat jeder Art angesehen. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten lautete das Motto: „Das Wasser nimmt alles mit.“

Mit der Industrialisierung haben sich nicht nur die Menge der Abwässer und des Mülls sowie die Luftverschmutzung stark erhöht, sondern es hat sich auch deren Zusammensetzung geändert. Waren es früher meist organische Abfälle, sind es heute komplexe, oft synthetische chemische Verbindungen kaum noch überschaubarer Vielfalt, die über Bäche und Flüsse ins Meer gelangen. Die moderne Landwirtschaft und Industrie steuern den größten Anteil bei, hinzu kommen Haushaltsabwässer. Als Folge der Erosion gelangen vergiftete Sedimente ins Meer. Die Verunreinigungen der Atmosphäre werden auf der Meeresoberfläche abgelagert.

Landwirtschaft

Um dem im Laufe der Zeit unentwegt steigenden Wettbewerb gewachsen zu sein, haben sich bäuerliche Betriebe zu energiehungrigen Unternehmen entwickelt. Es wird gedüngt und bewässert, Hochleistungsmast und Milchproduktion betrieben, kultiviert und beweidet. Jedes Jahr gelangen unglaubliche Mengen Phosphat und Stickstoff, Pestizide und Herbizide, Schwermetalle und Krankheitserreger sowie Salze und Spurenelemente ins Grundwasser, in die Feuchtgebiete, Flüsse, Seen und letzten Endes ins „Endlager“ Meer.

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Industrie

Die petrochemische und chemische Industrie konzentriert sich vor allem auf die nördlichen Mittelmeer-Anrainerstaaten, in denen 87 Prozent aller Industriebetriebe der mediterranen Region liegen. Metallverarbeitende Betriebe, Papierfabriken, Gerbereien und Farbhersteller sind hier angesiedelt. Eines der offensichtlichsten Probleme für die Umwelt ist der enorme Flächenbedarf von Industriebetrieben. Ausgedehnte Bereiche für die Lagerung von Rohstoffen versiegeln den Boden; auch entstehen großflächige Deponien, wo die bei den Produktionsprozessen anfallenden Abfälle gelagert werden. In den heißen Sommermonaten machen sich die Auswirkungen der Industrie und des Verkehrs für die Menschen als Smog besonders bemerkbar.

Flüsse als Abwasserleitungen

Etwa 80 Flüsse tragen zur ständigen und massiven Verschmutzung des Mittelmeeres bei. Teilweise trocknen sie über die Sommermonate vollständig aus, tragen aber dafür in den Wintermonaten riesige Fluten und Sedimentfrachten ins Meer. Andere Flüsse sind ganzjährig wasserführend. Der je nach Saison wechselnde Wasserstand führt zu unterschiedlich starker Belastung einzelner Gebiete, was einen Vergleich schwierig macht. Nur wenige mediterrane Flüsse werden regelmäßig auf ihren Schadstoffgehalt untersucht. Ein Monitoring wird durch das Wasserregime (Jahresgang der Niederschläge, periodische oder episodische Wasserführung der Flüsse) und die in der Sedimentfracht gebundene Schadstoffmenge erschwert; giftige Schwermetalle sind nicht gelöst im Wasser nachweisbar, sondern als Teil des Sediments getarnt. Teilweise wurden die Sedimentfrachten durch Staumaßnahmen um 70 Prozent reduziert, was aber nicht bedeutet, dass die Schadstoffe letztlich nicht doch das Meer erreichen.

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Schwermetalle

Große Mengen Schwermetalle aus Industrieabfällen und natürlichen Quellen fließen täglich ins Mittelmeer, gelangen so in die Nahrungskette und reichern sich in den Organismen an. Arsen und Blei, Cadmium, Chrom, Kobalt, Kupfer, Nickel, Quecksilber und Zink – all diese giftigen Metalle fallen bei der Produktion von Computern, Batterien, Verpackungen, Kühlmitteln, Pestiziden, Pharmazeutika und auch im Bergbau- und Hüttenwesen oder bei der Wärmegewinnung an und gelangen mit dem Abwasser von Mülldeponien ins Meer. Einmal aufgenommene Schwermetalle sind nicht abbaubar.

Gerade die Industriegebiete der Küstenzonen tragen wesentlich zur Belastung des Meeres durch Schwermetalle bei. Schon zu Beginn der siebziger Jahre wurden hohe Schwermetallkonzentrationen gemessen – im Tyrrhenischen Meer, an der toskanischen Küste, in der oberen Adria, in der Kastella-Bucht in der Nähe von Split und in weiten Teilen des östlichen Mittelmeeres ebenso wie in der Nähe von Haifa und Alexandria. Dabei fanden sich die höchsten Konzentrationen in Küstennähe; 20 Kilometer vor der Küste war die Konzentration selbst bei starker Belastung der Küstengewässer auf ein für Meerwasser natürliches Maß gefallen.

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Keine guten Prognosen

Das Ökosystem Mittelmeer als ein von allen Seiten eingeschlossenes Meeresbecken wird durch große Mengen unterschiedlichster Abwässer belastet. Pestizide, landwirtschaftliche und kommunale Abfälle, Öl, Waschmittel und illegale Einleitungen bedrohen den Lebensraum von Mensch und Tier. Die Stoffe lagern sich über die Nahrungskette in Algen, Pflanzen und Tieren an und erreichen in Filtrierern wie Muscheln und in großen Räubern wie Tunfisch und Schwertfisch ihre höchsten Konzentrationen. Viele Muscheln akkumulieren die giftigen Stoffe in ihrem Fleisch auf Werte, die bis zu eintausendmal höher liegen können als die Werte des sie umgebenden Wassers. Diese Bioakkumulation von Quecksilber in Schalentieren und Tunfischen sowie von Cadmium und Arsen, giftiger Stoffe der Antifouling-Farben, PCBs und PAKs in Speisemuscheln spiegeln den Umgang mit dem Lebensraum Meer und den darin enthaltenen Ressourcen wider. Die größte Schwierigkeit besteht auch heute noch im Erfassen der Verunreinigungen im Wasser. Zudem erschweren unterschiedliche Messmethoden den Vergleich einzelner Gebiete. Proben aus lebenden Tieren weisen je nach den auf sie einwirkenden biotischen und abiotischen Faktoren unterschiedliche Akkumulationsraten auf. Daher können so gewonnene Daten immer nur einen Teil der tatsächlich auf den Organismus einwirkenden Menge erfassen. Beim Menschen kommen die Unterschiede in den Ernährungsgewohnheiten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zum Tragen. So essen Mitglieder einer Fischerfamilie sehr viel mehr Fisch und Meeresfrüchte als Bewohner im Hinterland – und nehmen dabei eine Vielzahl an giftigen Stoffen auf.

Eine Möglichkeit der Aufnahme von gefährlichen und giftigen Substanzen besteht auch über kontaminierten Sand und durch die direkte Einwirkung des Meerwassers beim Schwimmen. Die Gefahr zu erkranken ist durch den langen Kontakt mit dem verunreinigten Medium im Mittelmeerraum weitaus höher als in den weniger wohlig temperierten Gewässern Nordeuropas. Doch die meisten Touristen wollen die Gefahr, der sie ausgesetzt sind, nicht erkennen, denn das an Trübstoffen arme Mittelmeer wirkt mit seiner azurblauen Farbe klar und sauber – eine natürliche Gegebenheit, die von der Tourismusindustrie gerne in der Werbung verwendet wird. Die im Sediment akkumulierten oder im Wasser gelösten giftigen Stoffe sind schließlich unsichtbar.

In etlichen Bereichen des Mittelmeeres sind Veränderungen in der Biodiversität zu erkennen. Wo einst mehrere Arten auf engem Raum vorgekommen sind, leben heute nur noch wenige resistente Spezies. Der langsame Tod ganzer Meeresgebiete vollzieht sich oft, ohne Aufsehen erregende Bilder zu hinterlassen.

Problemkreis Tourismus

Die Strände des Mittelmeeres sind die beliebtesten Reiseziele der Welt. Wenngleich die Individualreisebranche mit Reisen in ferne Länder ständig wächst, werden die Mittelmeerküsten auch in Zukunft die größten Touristenzentren bleiben. Oft drängen die Betreiber von Ferienanlagen in besonders artenreiche oder landschaftlich reizvolle Gebiete der Küsten, denn noch immer steht der Sonne-Strand-und-Meer-Urlaub an erster Stelle. Die dadurch hervorgerufenen ökologischen Schäden und sozialen Folgen sind gerade im Mittelmeerraum deutlich zu erkennen.

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Verbrauch von Wasser

Aufgrund des Tourismus steigt in vielen Feriengebieten die Anzahl der Menschen saisonal auf das Zwanzigfache an. Daraus resultiert zum Beispiel ein ungeheurer Wasserbedarf. Während ein spanischer Stadtbewohner etwa 250 Liter Wasser pro Tag benötigt, verbraucht ein Tourist 440 Liter; verbringt er seinen Urlaub in einer Anlage mit Golfplatz und Schwimmbad, so erhöht sich der Tagesbedarf auf 880 Liter.

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Verbrauch von Ressourcen

Die Tourismusindustrie sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt. Sie ist einerseits auf die Schönheit der Landschaft und die Verfügbarkeit von Trinkwasser angewiesen, andererseits ist sie verantwortlich für die Zerstörung und Übernutzung natürlicher Ressourcen. Der kurzzeitige wirtschaftliche Aufschwung einer Region verändert auch die soziale Struktur und die traditionelle Lebensweise. Die vormals nachhaltige Nutzung vorhandener Ressourcen wird durch Gewinn bringende, aber kurzlebige Übernutzung abgelöst. So entstehen z. B. Konflikte zwischen der lokalen Bevölkerung und der Tourismusindustrie um Wasser, Abfallbeseitigung, Energie und Landnutzung.

Es gibt erste Anzeichen für ein effizienteres Ressourcenmanagement. In Tabarka in Tunesien wurde zum Beispiel vor dem Baubeginn einer Hotelzone eine dreistufige Kläranlage errichtet. Daran sind heute alle Hotels und fast alle Haushalte der Siedlung angeschlossen. Damit haben sich die Einleitungen trotz des Fremdenverkehrs reduziert. Es ließen sich weitere positive Beispiele nennen. Doch noch überwiegen die gewinnorientierten Aspekte bei neuen Investitionen. Nach Schätzungen von Experten wird die Zahl der Touristen bis zum Jahr 2020 auf 330 Millionen ansteigen und die Tourismusindustrie von der entsprechenden Reisekasse profitieren. Vor allem spanische, griechische und türkische Unternehmen investieren zur Zeit hohe Summen in den Fremdenverkehr. Doch nicht der nachhaltige Umgang mit der Natur und der Kultur steht dabei im Vordergrund; in den meisten Fällen wird modernisiert, um das Freizeitangebot zu verbessern, neue Zielgebiete zu erschließen und die Wintersaison für die Reisenden attraktiver zu gestalten.

"Verbrauch" von Reisezielen

Je mehr Reisende ein Gebiet für sich entdecken, desto mehr kommt es zu großangelegten Neubauten. Ganze Felsbuchten verschwinden unter Ferienanlagen, so genannten Erlebniswelten und Fun Parks; Küstenstraßen werden ausgebaut, neue Flug- und Jachthäfen entstehen, und zunehmend werden Sandstrände dort aufgeschüttet, wo sie von Natur aus fehlen.

Eine äußerst bedenkliche Entwicklung ist das „Verbrauchen“ von Zielgebieten und Erschließen immer neuer Küstenabschnitte. Viele immer kleiner werdende, bedrohte und schützenswerte Lebensräume wie Sandstrände, Dünengebiete und lagunäre Lebensräume wurden zerstört. Für die Reiseunternehmen ist es lukrativer, mit „unverbrauchten“ Lebensräumen Kunden anzulocken.

So werden von den Touristen immer abgelegenere Strände aufgesucht, und die Höhlen der Mittelmeerküste sind beliebte Ziele für Tagestouren. Damit verschwinden auch die letzten Schutz- und Aufzuchtgebiete scheuer Tiere. In Griechenland wurden die Brutgebiete der Suppenschildkröten (Chelone mydas) und der Karettschildkröten (Caretta caretta) zerstört. Die einzige im Mittelmeer lebende Robbenart, die Mönchsrobbe (Monachus monachus), wurde durch die Fischerei und durch den Tourismus auf eine Population von 500 Tieren reduziert. Drei Viertel aller Sanddünen entlang der Küste von Spanien bis Sizilien sind verschwunden. Zwischen Barcelona und Neapel sind 70 Prozent der Küste verbaut. Manche Bauten an der tunesischen Küste berauben sich ihres eigenen Strandes. Die Geoökologie der Küstenabschnitte von Sousse–El Kantaoui und Djerba–Zarzis wurde durch Baumaßnahmen verändert, so dass die Küstenerosion nach und nach hier die Strände abträgt. Zudem geht mit dem Bauboom eine Versiegelung des Bodens einher. Dadurch erhöht sich die Abflussgeschwindigkeit des Regenwassers ins Meer, und weniger Wasser gelangt in die Grundwasserreservoire. All diese Veränderungen stellen einen schmerzlichen Eingriff in das empfindliche Küstensystem dar. Eine bebaute Küste verliert für viele Reisende und damit auch für die Tourismuskonzerne an Attraktivität. Diese internationalen Unternehmen haben aber am Recycling verbrauchter Gebiete kein Interesse. Solange es noch neu zu erschließende Regionen rund um das Mittelmeer gibt, verlassen sie unrentabel gewordene Ferienzentren und wandern in neue, Gewinn versprechende Zielgebiete ab. Die verbauten Landstriche bleiben zurück. War der Anteil des Fremdenverkehrs am Bruttoinlandsprodukt sehr hoch, kommt es zu volkswirtschaftlichen Krisen.

das_mittelmeer/oekologische_situation.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/02 10:59 von jakob