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Das Mittelmeer


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Problemkreis Eutrophierung

Unter Eutrophierung versteht man den Prozess der Anreicherung mit Nährstoffen, in erster Linie Phosphaten und Nitraten, der zur gesteigerten Primärproduktion führt. Große Mengen der produzierten Biomasse sinken zum Meeresgrund ab, wo der Abbau durch Mikroorganismen beginnt – durch das steigende Nahrungsangebot vermehren sich diese explosionsartig.

Der vorhandene Sauerstoff wird reduziert oder völlig aufgebraucht (Anoxie); ganze benthische Lebensgemeinschaften können daraufhin an Sauerstoffmangel zugrunde gehen. Solche Ereignisse wurden in den letzten 20 Jahren z. B. immer häufiger im Golf von Triest beobachtet.

Das Mittelmeer ist grundsätzlich ein oligotrophes Meer. Das bedeutet, dass sein Wasser einen niedrigen Gehalt an Pflanzennährstoffen aufweist. In die Tiefe absinkende organische Substanz wird in beträchtlichem Ausmaß mit den in den Atlantik hinausströmenden Wassermassen aus dem Mittelmeer befördert (vgl. Kapitel „Ozeanographie“). Viele mediterrane Organismen haben sich in Jahrmillionen auf ein solches oligotrophes System eingestellt. Der Eintrag an Pflanzennährstoffen ist aber in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen, was vor allem in seichten Küstenregionen zu Eutrophierungsphänomenen führt. Zu den markantesten und gefährlichsten Folgen der Eutrophierung gehören Algenblüten.

Alle Küstengewässer sind von Eutrophierung betroffen, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Der Chlorophyllgehalt des Wassers kann als Indikator des Pflanzennährstoff-Angebots dienen – es geht um das in einzelligen Algen enthaltene Chlorophyll. Diese Algen sind die wichtigsten Primärproduzenten der Meere. Vor allem in seichten Küstenregionen (Schelfregionen) wie in der Nordadria, in der Kleinen Syrte vor Tunesien und in der Nähe von Flussmündungen (Ebro-, Rhône- und Nildelta) macht sich die Eutrophierung massiv bemerkbar. Große Teile der offenen See hingegen sind oligotroph, mit einigen Gebieten höherer Produktivität. Die Zukunftsperspektiven werden von den Experten unterschiedlich bewertet. Während manche die der offenen See durch Eutrophierung drohende Gefahr als gering einschätzen, kommen andere zum Schluss, dass es in tieferen Wasserschichten zu einer Anreicherung von Nährstoffen und Anoxien (Sauerstoffmangel) kommen kann.

Die Küstenregion wird immer intensiver urbanisiert und agrarisch wie touristisch genutzt – mit weitreichenden Folgen für das Meer. Das Wasser der Flüsse und die Abwässer sind nicht nur reich an Nährstoffen, sondern auch an Pestiziden, Fungiziden und einer giftigen Mixtur verschiedenster Substanzen (siehe Problemkreis Chemie). Hinzu kommt die pathogene Belastung durch Viren und Mikroorganismen (coliforme Bakterien, verschiedene Parasiten). Die städtische Bevölkerung der Küstenzone ist zwischen 1960 und 1980 auf das Doppelte angewachsen, zwischen 1980 und 2025 erwartet man eine weitere Verdoppelung von 80 auf 170 Millionen. Die Klärung der Abwässer muss daher ein Schwerpunkt der Umweltpolitik sein. Die Mitgliedsstaaten der EU sollten in dieser Hinsicht den wirtschaftlich schwächeren Mittelmeer-Anrainerländern mit gutem Beispiel vorangehen.

das_mittelmeer/oekologische_situation/problemkreis_eutrophierung.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/02 10:42 von jakob