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Das Mittelmeer


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Verbrauch von Wasser

Aufgrund des Tourismus steigt in vielen Feriengebieten die Anzahl der Menschen saisonal auf das Zwanzigfache an. Daraus resultiert zum Beispiel ein ungeheurer Wasserbedarf. Während ein spanischer Stadtbewohner etwa 250 Liter Wasser pro Tag benötigt, verbraucht ein Tourist 440 Liter; verbringt er seinen Urlaub in einer Anlage mit Golfplatz und Schwimmbad, so erhöht sich der Tagesbedarf auf 880 Liter.

Müll und Abwasser sowie der wachsende motorisierte Verkehr sind weitere Probleme. Gerade die Saisonalität des Tourismusgeschäfts bereitet Schwierigkeiten. Während die Infrastrukturen für das Abwasser oder den Müll im Winter noch ausreichen, müssen die Entsorgungsanlagen in der Hauptsaison eine weitaus größere Menge verkraften. Die Kapazitäten sind schnell erschöpft, und so gelangen jedes Jahr 10 Millionen Kubikmeter meist ungeklärten Haus- und Industrieabwassers ins Mittelmeer. Die Verschmutzung durch diesen Giftcocktail betrifft das Trinkwasser genauso wie das Meerwasser und die Strände. Hohe Risiken für die Gesundheit der lokalen Bevölkerung wie auch für die Reisenden sind die Folge.

Die meisten Reiseziele verzeichnen nur geringe Niederschlagsmengen mit starken jährlichen Schwankungen. Doch gerade diese trockenen Gebiete, wie die der afrikanischen Küste, werden durch den erhöhten Wasserverbrauch – beispielsweise für Golfplätze in präsaharischen Gebieten mit Niederschlagsmengen um die 100 Millimeter im Jahr – nachhaltig geschädigt. Nachdem die oberen Bereiche des Grundwassers verbraucht sind, hat dort der Zugriff auf fossile, tiefer gelegene Grundwasservorkommen begonnen. Sie aber werden unter den gegenwärtigen Klimabedingungen nie mehr aufgefüllt und gehen so unwiederbringlich verloren. In südlichen Regionen hat die immense Wasserentnahme für Hotelburgen und die moderne Landwirtschaft eine ständig zunehmende Versteppung bewirkt.

Die Beeinträchtigung der Wasserqualität durch Einleitungen wird vor allem in extremen Situationen sichtbar. Ende der achtziger Jahre traten an den Stränden der Adria unangenehm riechende Algenschleimmassen auf. Die Touristen blieben aus, das Geschäft ebenfalls. In den Gemeinden an der Küste sind inzwischen nahezu 100 Prozent der Gebäude an kommunale Kläranlagen angeschlossen, doch stellen die Schmutzfrachten aus dem Hinterland eine weitere Bedrohung dar. Nun sollen die reichen Gemeinden der Küstengebiete beim Ausbau der Abwasserentsorgung im Hinterland helfen. Oft bleiben ökologische Folgen zunächst unbeachtet, wie bei der Anlage einer Mülldeponie in Tabarka in Nordwesttunesien. Sie befindet sich mitten im Dünengürtel, in einem Gebiet ohne Tonschichten als natürliche Barrieren zum Grundwasser.

Neben der chemischen Belastung des Wassers bedrohen auch der Unterwasserlärm und mechanische Störungen durch Strandurlauber die Meereswelt. Ob Wasserschifahrer oder Scooter, Hobbytaucher oder Surfer, Sportangler oder Wochenendkapitän, alle drängen in den sensiblen Küstenbereich. In einem wenige hundert Meter breiten Streifen vor der Küste suchen Meereslebewesen Schutz in Höhlen, im Sandboden oder in den Seegraswiesen. Gerade sie gelten als Kinderstube vieler Fischarten und bieten Schutz und Nahrung für andere marine Lebewesen.

In der Sommersaison machen sich täglich ungezählte Hobbysegler und Motorbootfahrer rund um das Mittelmeer auf, um in die entlegensten Buchten zu fahren. Sie ankern in den Seegraswiesen und reißen dadurch Löcher in die im Laufe der Zeit zu Matten aufgeschichteten Seegräser. Stürme und starke Strömung vergrößern die Löcher und bieten Angriffsflächen für weitere Zerstörung. Seegrasmatten wachsen langsam: Schätzungen gehen von einem Meter Höhenwachstum pro Jahrhundert aus. Abgesehen von ihrer wichtigen Rolle im Küstenschutz nehmen die Pflanzen auch bei der Sauerstoffproduktion im warmen Wasser eine Sonderstellung ein: Ein Quadratmeter Seegras kann bei starker Sonneneinstrahlung bis zu 14 Liter Sauerstoff täglich freisetzen. Durch verstärkte Bodenerosion und erhöhten Eintrag von Süßwasser werden die Wiesen geschädigt. Zudem reagieren die Pflanzen sehr empfindlich auf Sedimentation und Trübung des Wassers.

das_mittelmeer/oekologische_situation/verbrauch_von_wasser.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/02 10:56 von jakob