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Das Mittelmeer


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Wo bleibt das „entlaufene“ Öl?

Nach Schätzungen der UNEP (United Nations Environmental Program) gelangen jährlich 120.000 Tonnen Öl ins Mittelmeer; Greenpeace-Wissenschaftler halten sogar eine Menge von 635.000 Tonnen für realistisch.

Bis heute ist über den Verbleib des Öls in biologischen Abbauprozessen und bio-geochemischen Kreisläufen wenig bekannt. Nach einem Ölunfall verdampfen die Leichtölanteile oder werden durch marine Bakterien langsam abgebaut. Der Verbleib der Schwerölanteile ist fraglich. Tatsache ist, dass sich das Öl in den Sedimenten anreichert; das wird in der Massenbilanzierung des Öls deutlich. Der hohe Ölanteil in der Atmosphäre ist gut zu erkennen. Ein Teil davon entsteht durch verdampfendes Leichtöl nach Ölunfällen, den größten Anteil steuern jedoch unvollständige Verbrennungsprozesse von organischem Material (Öl, Benzin oder Kohle) in Industrie, Haushalt und Verkehr bei. Dabei werden Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs; englisch PAH: polycyclic aromatic hydrocarbons) gebildet. Zur Gruppe der PAKs zählen krebserregende und das Erbgut verändernde Stoffe. Neben der bekannten Wirkung als Treibhausgas sind Kohlenwasserstoffe vor allem schädlich für die Entwicklung larvaler und juveniler Meeresorganismen.Sie sind stark hydrophob und werden vor allem als Aerosole transportiert; so gelangen diese Schadstoffe auch in Regionen, die an und für sich kaum durch Abgase belastet sind.

Neben der Verarbeitung von Rohöl bildet die Produktion von Schmierölen einen großen Sektor der Erdölindustrie. Schmieröle werden überall eingesetzt: in der Industrie, im Handwerk, in jedem Kraftfahrzeug und im Haushalt. Mit zum Teil hochgiftigen Additiven vermischt, finden sie in unterschiedlichsten Bereichen Verwendung: als Schmierstoff in Maschinen und Motoren, als Kühlflüssigkeit in der Metallindustrie, in Transformatoren oder bei der Erzeugung von Gummi. Meist verbinden sich die Schmieröle mit Elementen wie Zink, Barium, Natrium und Phosphaten, bevor sie über die industriellen Abwässer ins Mittelmeer gelangen. Im Wasser sind sie optisch nicht von Erdöl zu unterscheiden. Über die eingeleiteten Mengen dieser Industriegifte ist bis heute wenig bekannt, eine entsprechende Forschung daher dringend notwendig.

Transport mit Risiko und soziale Aspekte der Ölförderung:

Jährlich treten 360 Millionen Tonnen Rohöl und Ölprodukte den Weg über das Mittelmeer an – immerhin 20 Prozent des weltweiten Öltransports auf See. Jeden Tag befahren 250 Öltanker das Mittelmeer, doch sie sind nicht allein: Es gibt 2.000 Fährlinien, 1.500 Transportschiffe, 2.000 Handelsschiffe und unzählige Fischerboote in der Region. Alles in allem wird das Mittelmeer von 200.000 Schiffen befahren, die in 350 Häfen unterschiedlicher Größe „zu Hause“ sind. Als die für die Schifffahrt risikoreichsten Gewässer des Mittelmeeres gelten die Straße von Gibraltar, das Gebiet südlich von Sizilien, die Ägäis, der Bosporus, der Suezkanal sowie einige besonders schwer befahrbare Häfen. In den Jahren von 1990 bis 1995 wurden in der Mittelmeerregion 29 schwere Schiffsunfälle registriert (145 Unfälle insgesamt), an denen hauptsächlich Öltanker beteiligt waren. Angesichts der zahlreichen Schiffsbewegungen scheinen 29 Unfälle in fünf Jahren eine geringe Zahl zu sein. Doch schon wenige Unfälle können verheerende Wirkungen haben – in der Zeit von 1981 bis 1991 flossen bei nur drei Unfällen 55.000 Tonnen Öl ins Mittelmeer.

Oberflächlich betrachtet bietet die Industrialisierung der infrastrukturell wenig ausgebauten Mittelmeerregion eine Menge Arbeitsplätze; allerdings ist die Entwicklung eher negativ, wie das Beispiel Italien zeigt. Von der Modernisierung des Nordens sollte auch der arme Süden des Landes profitieren. Deswegen legte die Regierung 1957 fest, daß alle staatlichen Unternehmen 40 Prozent ihrer Investitionen in den Süden lenken sollten. Es entstanden vor allem kapitalintensive großindustrielle Anlagen der Petrochemie. Doch die mit hohen Subventionen errichteten Anlagen sind heute teilweise stillgelegt. Die Zahl der neugeschaffenen Arbeitsplätze war gering, und die wenigen, nur durch Spezialisten zu besetzenden Arbeitsplätze konnten meist nicht an die schlecht ausgebildeten örtlichen Nachwuchskräfte vergeben werden. Der erhoffte regionale wirtschaftliche Aufschwung ist ausgeblieben, die Beschäftigungszahlen in den südlichen Mittelmeerstaaten haben sich nicht wesentlich verändert. Die Förderländer verarbeiten das Rohöl nun an Ort und Stelle zu petrochemischen Produkten und beliefern direkt den größer werdenden Markt. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen, womit sich die per Schiff transportierte Menge petrochemischer Produkte weiter erhöht.

das_mittelmeer/oekologische_situation/wo_bleibt_das_entlaufene_oel.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/04 12:18 von jakob