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Das Mittelmeer


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Zur Bedeutung der Ozeanologie

Das große Interesse für das Meer und die Meeresbiologie beruht zu einem guten Teil auf der tief verwurzelten Faszination, die das Wasser an sich und das Meer im speziellen auf die meisten Menschen ausübt, sowie darauf, dass die Erde zu mehr als zwei Drittel vom Meer bedeckt ist und damit im Bewusstsein der Menschen als “Blauer Planet“ existiert. Neben dieser emotionalen Ebene gibt es auch ganz objektive Gründe, wobei hier das Meer mit seinem Energiepotenzial, als Regulator des Klimas, als künftige Quelle lebenswichtiger Ressourcen wie Nahrung und Rohstoffe nicht berücksichtigt ist:

  • Das Weltmeer ist der größte und einheitlichste zusammenhängende Lebensraum der Erde. Es bedeckt 367,1 Millionen Quadratkilometer der Erdoberfläche (70,8 Prozent) und reicht bis in 11.033 Meter Tiefe. In ihm sind unvorstellbare Wassermassen gespeichert (sie werden auf 1,375 Milliarden Kubikkilometer geschätzt), so dass sich nach dem Einebnen aller Erhebungen der Erdoberfläche und Gräben am Meeresgrund ein Globus bilden würde, der von einem bis zu etwa 2.500 Meter tiefen Ozean bedeckt wäre, dessen Meeresspiegel 245 Meter über dem heutigen läge.
  • Das Meer ist allein durch seine Größe und die räumliche Ausdehnung, aber auch wegen der Schwierigkeit, in seiner Tiefe länger dauernde Untersuchungen durchführen zu können, der am wenigsten bekannte Lebensraum der Erde.
  • Das Leben hat seinen Anfang zweifellos im Meer genommen. Hier haben sich die bekannten Baupläne entwickelt, und hier entstand die Basis der heutigen Diversität der Organismenwelt.
  • Im Meer findet man alle höheren systematischen Kategorien (Stämme und Klassen) des Pflanzen- und Tierreichs. Etliche von ihnen sind fast ausschließlich auf das Meer beschränkt, beispielsweise Rotalgen (Rhodophyta) und Braunalgen (Phaeophyta) unter den Pflanzen oder etwa die Stachelhäuter (Echinodermata) unter den Tieren. Bis auf wenige Ausnahmen sind Schwämme (Porifera), Nesseltiere (Cnidaria), Moostierchen (Bryozoa), Borstenwürmer (Polychaeta) und weitere Gruppen rein marin.
  • Wenn man die Insekten – als artenreichste Organismengruppe unter den Landbewohnern und der gesamten Erde – ausschließt, sind 65 Prozent der verbleibenden Tierarten Meeresbewohner.
  • Die meisten “lebenden Fossilien“ gibt es im Meer, das offenbar eine “konservierende Wirkung“ haben kann, obwohl es im Kambrium gerade hier eine enorme Radiation des Lebens gegeben hat. Die Lebensräume und Lebensbedingungen der Tiefsee waren im Laufe der Erdgeschichte im Vergleich zu terrestrischen Lebensräumen außergewöhnlich stabil. Einige dieser Organismen haben sich seit frühesten erdgeschichtlichen Perioden kaum oder wenig verändert und besiedeln als “lebende Fossilien“ seit vielen Millionen Jahren marine Lebensräume (der Urmollusk Neopilina, das marine Spinnentier Limulus, der mit den fossilen Ammoniten verwandte Nautilus oder der seit 60 Millionen Jahren fast unveränderte Quastenflosser Latimeria; im Mittelmeer kommen diese Arten nicht vor).
  • Das marine Ökosystem ist – man kann ohne Übertreibung sagen: weltweit – aus dem Gleichgewicht geraten, wobei das Europäische Mittelmeer in Hinblick auf die Meeresverschmutzung im negativen Spitzenfeld liegt. Globale Veränderungen können unabsehbare (etwa klimatische) Folgen für die Menschheit nach sich ziehen. Die intensive Erforschung des Meeres ist daher von entscheidender Bedeutung für die Menschheit.
das_mittelmeer/ozeanographie/zur_bedeutung_der_ozeanologie.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/02 13:01 von jakob