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Das Mittelmeer


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Aquakultur - kein Allheilmittel

Die Aquakulturindustrie des Mittelmeeres – sie ist auf den nachfolgenden Seiten dargestellt – erwirtschaftete im Jahr 1984 78.180 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte; 1996 waren es bereits 248.460 Tonnen. Der Anteil mariner Fischarten stieg in diesen zwölf Jahren auf das 400-fache, der von Brackwasserarten auf das Zehnfache an – ein Wirtschaftszweig mit explosivem Wachstum auf Kosten der Natur. Die „Nebenwirkungen“ der Mast im Meer sind groß: Die intensive Fischzucht produziert enorme Abfallmengen; in nächster Umgebung der Aquakulturen wird die Primär- und Sekundärproduktion entscheidend beeinflusst; durch die Anreicherung unverbrauchter Nahrungspartikel und die damit einhergehenden Veränderungen im Sauerstoffhaushalt des Benthals kommt es zu Eutrophierungsprozessen. Da die Tiere auf unnatürlich engem Raum leben, wo sich Krankheiten schnell entwickeln und ausbreiten können, ist eine Zucht ohne Einsatz von Medikamenten kaum möglich. Ein Großteil dieser Chemikalien gelangt aber in die Umgebung und reichert sich zusammen mit der überschüssigen Nahrung und dem Kot der Fische im Benthos an – idealer Nährboden für Bakterien, Algen und Pilze.

Ein Risiko für die mediterrane Fauna birgt die Zucht von exotischen oder genetisch veränderten Arten. Einzelne Tiere entweichen immer wieder aus den Zuchtanlagen, übertragen Krankheiten und können sich in der freien Natur so stark vermehren, dass heimische Arten verdrängt werden. Ein Beispiel ist die Zucht der asiatischen Teppichmuschel Venerupis (= Tapes) semidecussatus im Brackwasser der nördlichen Adria auf italienischem Gebiet. Die Larven wurden verdriftet, die heimische Teppichmuschelart Venerupis (= Tapes) decussatus weitgehend verdrängt, so dass sie heute auch in anderen Küstengebieten gefischt werden können.

das_mittelmeer/ueberfischung/aquakultur_-_kein_allheilmittel.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/01 16:41 von jakob