Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


Seitenleiste

Inhalt

Das Mittelmeer


Wissenschaftliche Arbeiten

About

das_mittelmeer:ueberfischung:der_tunfisch

Der Tunfisch, ein Fallbeispiel

Jedes Jahr im Mai, Juni und Juli treffen sie sich nördlich und östlich der Balearen: die Gewöhnlichen, die Roten oder Großen Tunfische (Thunnus thynnus). Sie gehören zu den größten und schwersten Knochenfischen der Welt, und sie wandern aus dem kühlen Atlantik in das warme Mittelmeer, um zu laichen. Die Reproduktionsrate der Tune ist hoch, die Wachstumsrate groß, die großen Schwärme sind leicht zu orten, und ihr Fleisch wird sehr geschätzt. Die bis zu 560 Kilogramm schweren und bis drei Meter langen Fische machen Jagd auf pelagische Schwarmfische; sie selbst werden wegen ihres delikaten Fleisches gejagt.

Der Fang eines Tunfischs war für jeden Fischer immer schon das reinste Glück. Heute zieht mit den Tunfischen jedes Jahr eine riesige Flotte von Fischereibooten in ihr Laichgebiet, um an dem gewinnträchtigen Geschäft teilzuhaben. Das wichtigste Abnehmerland für Tunfisch ist nach wie vor Japan, mit stetig steigendem Bedarf. Mehr als 40.000 US-Dollar wurden dort schon für einen einzigen Tunfisch gezahlt; mit 38 US-Dollar pro Kilo verspricht er für Fischer und Händler satten Gewinn. Das lohnende Geschäft mit dem Tun lockt Fangschiffe und Fischereipiraten aus vielen Gebieten in das Mittelmeer.

Die meisten Schiffe und Boote tragen die Flaggen der Staaten Belize, Honduras, Panama oder Sierra Leone und nicht etwa jene der Mittelmeerländer, ein Misstrauen erweckender Aspekt, denn viele dieser Nationen sind nicht Mitglieder der International Commission for the Conservation of the Atlantic Tunas (ICCAT). So machen sie weder Angaben über ihre Fangmenge, noch halten sie sich an Fangbegrenzungen, die die ICCAT zum Schutz und Management der großen Fische aufstellt. Die bis zu 65 Meter langen Fangschiffe setzen teilweise 100 Kilometer lange Leinen mit an die 2.000 Haken aus, obwohl es untersagt ist, mehr als 60 Kilometer Oberflächenlangleine mit an Bord zu führen. Hunderte von Fischerbooten der Mittelmeerstaaten mit Langleinen, kilometerlangen Treibnetzen, Ringwaden und Tunfischfallen kommen hinzu. Zu diesen kommerziellen Fischern gesellen sich unzählige Sportangler; ihr Beitrag zum Rückgang der Art ist aber gering.

Das Resultat: In den letzten zwanzig Jahren hat die Anzahl der ausgewachsenen Tunfische um 80 Prozent abgenommen. Wissenschaftliche Berater des ICCAT drängen seit 1974 darauf, dass die Fangmengen reduziert werden, was bisher jedoch ohne Folgen blieb: Lagen die Fänge 1974 noch bei 14.000 Tonnen, wurden zwanzig Jahre später 38.000 Tonnen gefangen. Erst 1995 schlug die ICCAT ein Fangverbot für Langleinenboote mit einer Größe von über 24 Metern im Juni und Juli vor; die übrigen Fischereiaktivitäten sollten um ein Viertel reduziert werden. Die Empfehlungen traten in Kraft, doch es wurde gefischt wie eh und je.

Das Jahr 1996 verlief ähnlich: Die ICCAT schlug eine Reduzierung der Fänge um 35 Prozent vor, empfahl, auf den Versand von Tunfisch per Luftfracht im Juni zu verzichten und die Ringwadenfischerei im August zu untersagen. Doch es wurde noch mehr gefischt als zuvor. Die Menge an gefischtem Tun stieg in diesen zwei Jahren um 2000 auf offizielle 40.000 Tonnen jährlich – wobei die ICCAT annimmt, dass die tatsächlichen Erträge nochmals um 30– - 50 Prozent darüber liegen; eine Überwachung ist allerdings ebenso kostenintensiv wie schwer durchzuführen.

das_mittelmeer/ueberfischung/der_tunfisch.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/04 13:18 von jakob