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Der Tunfischkrieg

1987 testeten die Franzosen mit zwei Schiffen die Treibnetzfischerei im Nordostatlantik. Schon 1990 regte sich, sogar unter Fischern, erster Widerstand – in Italien protestierten die Besatzungen 700 italienischer und 20 spanischer Fischkutter gegen den Einsatz von Treibnetzen. Das Greenpeace-Schiff „Rainbow Warrior“ kreuzte gerade im südlichen Pazifik und demonstrierte dort gegen den Einsatz der Treibnetze. Als bekannt wurde, dass jährlich weltweit 20.000 Delfine als Beifang der Tunfischjagd verendeten, begannen die ersten massiven Kaufboykotte der Verbraucher gegenüber Tunfischkonserven. Eine Vielzahl unterschiedlicher Labels „aus delfinfreundlichen Fängen“ entstand. Durch Demonstrationen in italienischen Touristenhäfen machten Umweltschützer auf das Problem der Treibnetzfischerei aufmerksam. Im Oktober 1990 reagierte der EU-Ministerrat auf die Protestaktionen mit einem Verbot für Treibnetze von über 2,5 Kilometer Länge. Doch die Netze wurden weiter eingesetzt. 1992 wurden riesige Treibnetze asiatischer Fischtrawler vor den Mittelmeerküsten ausgemacht.

Im April 1994 begann der so genannte Tunfischkrieg: Frankreich kündigte an, dass es sich nicht an das Verbot von Treibnetzen über 2,5 Kilometer Länge halten und weiterhin mit 5 Kilometer langen Netzen fischen werde. Daraufhin kaperten baskische Fischer zu Beginn der Tunfischsaison den französischen Tunfischkutter „La Gabrielle“. Einen Tag später brachten französische Fischer einen spanischen Kutter auf. Daraufhin jagten Hunderte von spanischen Fischern französische Schiffe mit Leuchtraketen, Harpunen und Molotowcocktails. Zwei Tage später stoppten französische Fischer einen spanischen Kutter und brachten ihn in den Militärhafen von Lorient; sie behaupteten, an Bord des spanischen Kutters seien Tunfische, die nicht der EU-Norm entsprächen, gaben das Fangschiff jedoch am folgenden Tag wieder frei. Nach einer turbulenten Woche politischer Drohungen und Tunfischkrieg-Beilegungsbeschwörungen zwischen Frankreich und Spanien begannen Hunderte von spanischen Fischkuttern zahlreiche Atlantikhäfen zu blockieren. Hendaye wurde mit 70 Schiffen blockiert und ein riesiges Stahlnetz über die Flussmündung gespannt.

Im Juli 1994 sagte Frankreich zu, sich in Zukunft an das Verbot von Treibnetzen mit mehr als 2,5 Kilometer Länge halten zu wollen, doch der Kampf weitete sich nun auf andere Länder aus: Im Golf von Biskaya kaperten spanische Fischer mehrere Boote britischer und irischer Herkunft. Als die Greenpeace-Mannschaft der „Rainbow Warrior“ einen französischen Tunfischkutter inspizieren wollte, wurde sie von einem französischen Patrouillenboot beschossen. Ende August beschossen fünf spanische Boote zwei französische Fischkutter, wobei ein Franzose schwer verletzt wurde. Erst 1996 forderte die zuständige Fischereikommissarin der EU, Emma Bonino, eine Reduzierung der Fischfangmengen von 1997 bis 2002 um 50 Prozent. Im Oktober 1996 entbrannte innerhalb der EU ein Streit um die Treibnetzfrage, und Ende 1997 sprach sich die Mehrheit der Fischereiminister für ein Treibnetzverbot aus. Am 8. Juni 1998, im Internationalen Jahr der Ozeane, verbot die EU-Kommission den Einsatz von Treibnetzen; das Gesetz tritt am 1. Januar 2002 in Kraft.

das_mittelmeer/ueberfischung/der_tunfischkrieg.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/01 16:44 von jakob